Leder und historische Belegbarkeit

Fragen und Antworten zu Gewandungen.
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Sir Weazel
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Sir Weazel » 14.07.2012, 12:06

Zumal du auch auf jedem Markt und jedem MA - Forum auf diese energischen A-Päpste triffst.......

Mich kotzen die auch immer an.....es geht doch nicht darum so authentisch wie möglich zu sein sondern um den Spaß am Hobby..
Oder ??

Türlich würde ich persönlich nicht unbedingt Plastiknocks spazieren tragen....weil da gibt es ja keine Frage ob es Plastik schon gab oder nicht....nur mal so als Beispiel

Alles andere was hätte sein können finde ich schon, das kann man akzeptieren....

Gruß Hans
suum cuique!....... Ego sum qui sum ... a debet ..

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Heiner
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Heiner » 14.07.2012, 13:07

Lieber Hans,

Sir Weazel hat geschrieben:es geht doch nicht darum so authentisch wie möglich zu sein sondern um den Spaß am Hobby..
Oder ??


es ist ein Irrglauben, dass die A-Fraktion weniger Spaß hat als die Gromis. Ich habe auf beiden Seiten intensiv Darstellung betrieben und kann daher sagen, dass das überhaupt nicht stimmt.

Am ersten Teil Deiner Frage (Ob es darum geht, so authentisch wie möglich zu sein) scheiden sich die Geister. Die einen sagen so, die anderen so... Das geht jetzt ja schon etliche Jahre so und der Weisheit letzter Schluss will sich dummerweise nicht zeigen ;).
Letztlich endscheidet es faktisch jeder für sich selbst, was er macht und richtig findet. Nüchtern betrachtet kann man sagen: Da die Welt sich in den letzten Jahren trotz der Uneinigkeit in dieser Sache fleißig weiter gedreht hat, scheint sie mit der Situation nicht totünglücklich zu sein. Im Endeffekt hat das für mich inzwischen den Geschmack von verbrannter Energie...

Zum Thema: Chirion, hast Du das Thema vllt auch mal in ein Fachforum für mittelalterliches Rüstungswesen getragen? Ist ja nun wirklich ncith die Kernkompetenz von FC, weder das MA noch seine Rüstungen.

Gruß
Heiner
Zuletzt geändert von Heiner am 14.07.2012, 16:13, insgesamt 4-mal geändert.
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KnechtKarl
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von KnechtKarl » 14.07.2012, 13:38

Ich stimme Dir absolut zu, Heiner. Der Streit lohnt nicht. Trotzdem ist es schade, was alles unter dem Label "Mittelalter" den Leuten unterbreitet wird.

Und zum Thema Lederrüstungen. Sie gab es! Da wo es Sinn machte... und das ist selten im europäischen Bereich. Dort ist Leder allenfalls als Trägermaterial zu finden oder als letzte Schicht einer Kompositärrüstung.
Und warum? Da lohnt es sich zu spekulieren und zu vergleichen. Eine reine Lederrüstung zeigt gegen die Waffen der Zeit nicht genug Schutzwirkung, um die Behinderung und das Gewicht wieder wett zu machen.

Dazu kommt noch eine wissenschaftlich belegte Tatsache. Nimmt man mal den Fleischkonsum her, errechnet daraus die erlangte Menge Leder und zieht wiederum alles ab, was unbedingt aus Leder gebraucht wurde, Schuhe, Zaumzeug, Sättel etc. wobei besonders die Schuhe ins Gewicht fallen, bleibt nicht mehr viel übrig für Lederkleidung oder gar Rüstung!

Seltsam, vielleicht, aber so steht es geschrieben da hilft alles spekulieren nur wenig.

Ansonsten ist es doch jedem unbenommen sich in Leder 1000er Rinder, Hirsche und sonst was zu hüllen, gehärtet oder nicht, als Kleidung oder Rüstung oder auch Fetisch. Es wär nur schön, wenn diejenigen dann nicht den Leuten erzählen würden "so war es" oder es auch nur implizieren....

Es gibt da wirklich tolle Hobbies, die ich auch betreibe...aber die heißen halt nicht MA-Darstellung.

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Ravenheart
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Ravenheart » 14.07.2012, 14:05

...also mir sind die Leute, die sich ein Trinkhorn an den Gürtel schnallen, ihren Recurve mit Stoffresten umwickeln, und sich für Mittelalterdarsteller halten, genau so unsympathisch wie jene , die mich anmachen, weil ich an meinem Vollholzbogen ne Horn-Pfeilauflage unter das Griffleder geschoben habe, weil ich nicht mehr "A" sei, und mich in die LB-Klasse zusammen mit den Border-LB stecken...

Man sollte schon a) wissen, was man tut, aber b) auch mal die Kirche im Dorf lassen...

Beim Gewandungs-Turnier in Vechta sagt eine Frau vom Museeumsverein mal zu meinem Outfit:
Nicht wirklich "A", aber sieht gut aus!
Die hat's kapiert. Passt in's Bild, keine groben Fehler, somit für's HOBBY o.k.... Könnten doch alle so locker sein...

06-03-25_Rattenjagd zu Vechta_21_klein.jpg


Rabe

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Sir Weazel
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Sir Weazel » 14.07.2012, 14:27

Sir Weazel hat geschrieben:
Alles andere was hätte sein können finde ich schon, das kann man akzeptieren....

Gruß Hans



Das meinte ich ja damit.......ohne grobe Fehler und gut ist....
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Chirion » 14.07.2012, 14:40

@KnechtKarl, ich behaupte nicht das es so war, ausserdem sprechen wir über einen Zeitraum von fast 1000 Jahren, ich weiss ja nicht so genau was sich nördlich der Donau abgespielt hat, aber hier war die meisste Zeit die Hölle los, nach den Römern ist so ziemlich jeder zentralasiatische Reiterhäuptling der ein wenig auf sich gehalten hat hier mal eingfallen, und manche wie die Avaren sind auch hier geblieben, der zentralasiatische Einfluss auf diese Gegend hier war vor allem im Frühmittelalter enorm, die Rüstungen dieser Herrschaften waren soweit ich weiss zu gutem Teil aus Leder. Dies und andere Fakten haben mich zu dem Schluss geführtdas es zumindest was unsere Gegend hier betrifft gut sein könnte bei einem zusammengewürfelten Haufen im Tross irgendeines Vasallenheers, auch Lederrüstungen ev Beschlagen mit Metall aber durchaus auch mit Hornverstärkungen anzutreffen.
Ich glaube übrigens das niemand den Anspruch erheben kann zu sagen genau so war es, darum kann es also letztlich nur um ein etwas mehr oder etwa weniger plausiebles, so könnte es gewesen sein, gehen.
Desweitern sehr ich es eh eher locker und schliesse mich den meisten Aussagen hier an
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Den Bogen gespannt, durchstreifst du, der Beute entgegen, die Schattentäler der Nacht

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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Wilfrid » 14.07.2012, 19:30

gerade das Argument "Verfgbarkeit" spricht eigentlich für "Rüstung" aus Leder. Denn was macht man mit dem Rückenstück beim Rind?? Heute Spaltleder aber damals?

Aus dem 16./17. kenne ich Jagdschilde aus "Büffelleder" , Rundschild aus dickem , harten Leder, den man dem Schwein wohl vor/neben das Gebräch gehalten hat und auch vom "Lederwams" wird berichtet. Alles jagdlich. Denn Schwein 50 m quer war damals ganz sicher noch angenehmer als heute im Gegensatz zu Schwein , spitz von vorn, Abstand 1m.

Man mußte ja Ur, Keiler und co früher mit Blankwaffen jagen. Die gute alte Flügellanze (Saufeder) ist zwar nicht schlecht, aber ein bisschen Schutz für den Oberkörper ist ganz sicher auch eine Art Lebensversicherung.

Wie wir alle wissen, Treffen ist auch Glückssache und mit nem Jagdpfeil im Schinken werden diese Tiere oft sehr böse

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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von kra » 15.07.2012, 10:26

@Rabe, ich würde mal aus der Anschauung des Bildes sagen, bis auf Brille, Schuhe -- und Bauch ;D durchaus authentisch....

Duckundwech
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Authomas » 15.07.2012, 10:48

Für Bäuche gibts aber durchaus Belege aus Bildquelle :) - für eine exakte Bewertung bräuchte man natürlich eine Angabe der dargestellten Zeit.
Fingernägel sind allerdings nicht belegt!

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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Squid » 15.07.2012, 12:57

Was ist mit Eheringen?
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Ravenheart » 15.07.2012, 14:41

Squid hat geschrieben:Was ist mit Eheringen?


...die hießen damals noch "Fangeisen", gab's aber schon... :D :D :D

Rabe ;)

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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Schattenwolf » 15.07.2012, 20:20

Überdimensionierte Bäuche sind in der Tat belegt
- damals hiessen sie jedoch Pfeffersäcke! >:)



Aber mal was anderes.... :

warägerschienen 3.jpg
3
warägerschienen 3.jpg (6.7 KiB) 3225 mal betrachtet
warägerschienen.jpg
1
warägerschienen.jpg (8.95 KiB) 3225 mal betrachtet
Warägerschienen 2.jpg
2
Warägerschienen 2.jpg (7.33 KiB) 3225 mal betrachtet




Mir ist nie klar geworden wie solche Konstruktionen ohne Leder-Unterfütterung geschützt haben sollen - besser doch Leder oder wattierte Wolle drunter und unterste Lage aus Seide.

Oder was meint Ihr!? ;)
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Authomas » 15.07.2012, 20:33

Gegen Schnitte auf jeden Fall - und der Impuls von Hieben wird zumindest breitflächig verteilt. Auf der nackten Haut wird man sie eh nicht getragen haben - mit einer Woll- oder Leinenhose und Wollwickeln hat man auch noch Futter drunter. Nur bei Pfeilen ist es wohl Glückspiel :D.

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Schattenwolf
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Schattenwolf » 15.07.2012, 20:50

Stimmt wohl, aber ich hab für mich die weniger elegante aber m.E. sinnigere Variante gewählt und zur besseren Impulskraftableitung Leder unterfüttert:
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Re: Leder und historische Belegbarkeit

Beitrag von Sir Weazel » 15.07.2012, 21:14

Schattenwolf hat geschrieben:Stimmt wohl, aber ich hab für mich die weniger elegante aber m.E. sinnigere Variante gewählt und zur besseren Impulskraftableitung Leder unterfüttert:


Sieht auch eleganter aus mit dem Leder....feine Sache das.... ;) ;)
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