Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

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Sherrif Sherwood
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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 12.03.2016, 21:33

Sodele,
nach einiger Arbeit am Sax, hier mal das grobe Ergebnis.

Zwei parallele Vertiefungen am oberen Teil der Klinge, ca 2mm tief. Mit dem Dremel die grobe Form reingefräst.
Anschliessend mit Naßschleifpapier nachgearbeitet aber das dauert, dauert, dauert und ist immer noch nicht zufriedenstellend.
Jetzt schleif ich schon ne Woche jeden Abend an dem Teil rum.
Hut ab vor den alten Schwertfegern, die so ein Teil mit doppelter Länge auf Hochglanz poliert haben.!!
Hab da noch ein zwei Bildchen dazu gehängt von ein paar Sax.
Dateianhänge
Sax_Altheim_grave_85_Germany_1.jpg
Sax_Altheim_grave_75_Germany.jpg
Sax aus Altheim
2016-03-12 20.23.00.jpg
2016-03-12 20.22.40.jpg
2016-03-12 20.21.44.jpg

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 13.03.2016, 18:45

So nun die Ausbeute von heute.
Saxscheide fertiggestellt und das Museum von Albstadt besucht.

Scheide aus Spaltleder mit 3mm Dicke.
Ziernägel aus Bronze.
Riemenhalter aus Leder zum verstellen.
Die Gürtelschnalle ist aus dem Grab 246 aus den Truchtelfinger Funden (72461 Truchtelfingen auf der schwäischen Alb) Das ist ein Mörderteil mit den Maßen 16x8,5cm. Was ähnliches lass ich mir bei Hakun Risti anfertigen, da das bei uns auf der Alb getragen wurde, nur ne Nummer kleiner als das Original.
Link mal hier: http://www.hakun-risti.de/
Dateianhänge
2016-03-13 14.09.31.jpg
Hier die Schnalle die den Gürtel gehalten hat. Ein Mörderteil 16x 8,5cm
2016-03-13 14.12.26.jpg
Ein ähnliches Sax aus den Alamannenfunden aus Albstadt
2016-03-13 18.22.43.jpg
Saxscheide aus Spaltleder.

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 09.04.2016, 21:00

Sodele,
heute mal wieder ein Teil des kleinen Alamannensax.
Saxscheide fertig.
An der Klinge des Sax die groben Blutrinnen reingeschliffen.
Dateianhänge
2016-03-12 20.22.40.jpg
2016-03-12 20.21.44.jpg
Saxscheide_FC.jpg
Saxscheidenbau_FC.jpg

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 09.04.2016, 21:33

Nachtrag zum Alamannesax

Shokunin hat die Frage gestellt:
"Was mich an den Sax-Messern aber immer interessiert ist der Griff... ich bin ja ein Fan von eher langen, geradlinigen Griffen.Gibt es da eine "Norm" wie die "in der Regel" aufgebaut waren - oder auch bezüglich der Proportion zur Schneide?"

Wie mir ein Kollege der sich in der Szene auch als Aräologe austobt, mitteilte, gibt es sogut wie keine erhaltenen Griffe. Die einzigsten die einigermaßen über Form und Aussehen was hergeben sind in Stuttgart im Ladesmuseum augestellt. Auch sind die Verzierungen nur in Teilen vorhanden, jedoch lässt sich anhand der Form dieser Messing/ Bronze oder Eisenteilen die Form erahnen oder rekonstruieren.
Was bei den allermeisten Saxklingen aufviel, ist dass kein Löcher für Paßstift zu finden sind.Die Passung wurde mit glühenden Handteilen ins Holz gebrannt.
Ich werd in Kürze in einem Museum den Keller besuchen, dort sind noch sehr viele unterschiedliche Saxe aufbewahrt, welche nicht ausgestellt sind. Da freu ich mich wie Schmidts Katze. ( Bilder soweit möglich folgen)
So wie ich jetzt schon herausgefunden habe sind die meisten Griffe hier im Zollernalbkreis nicht mit Paßstiften gesichert worden. Aktuell bin ich auf der Suche nach einem Sax, das bei Ausschachtungen für ein Haus in meinem Heimatdorf "verschwunden" ist.
Anbei mal das Sax von unserem "Clanchefe"
Ich verweise mal auf die Dissertation von: Georg Schmitt aus Herzebrock/Westfalen Pirna 2005 >> Die Alamannen aus dem Zollernalbkreis". Da sind fundierte Erklärungen und auch Bilder drin.
Dateianhänge
Sax nach Grab aus Truchtelfingen 7-Jahrundert.jpg
Sax nach Grabfund aus Truchtelfingen
Kleines Sax der Ewerlinger Sippe.jpg
Sax klein der Eweringer Sippe
2016-03-13 14.14.36.jpg
2016-03-13 14.12.15.jpg
Der Clanchefe staunt, ne.jpg

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 09.04.2016, 21:36

Sherrif Sherwood hat geschrieben:Nachtrag zum Alamannesax

Shokunin hat die Frage gestellt:
"Was mich an den Sax-Messern aber immer interessiert ist der Griff... ich bin ja ein Fan von eher langen, geradlinigen Griffen.Gibt es da eine "Norm" wie die "in der Regel" aufgebaut waren - oder auch bezüglich der Proportion zur Schneide?"

Wie mir ein Kollege der sich in der Szene auch als Aräologe austobt, mitteilte, gibt es sogut wie keine erhaltenen Griffe. Die einzigsten die einigermaßen über Form und Aussehen was hergeben sind in Stuttgart im Ladesmuseum augestellt. Auch sind die Verzierungen nur in Teilen vorhanden, jedoch lässt sich anhand der Form dieser Messing/ Bronze oder Eisenteilen die Form erahnen oder rekonstruieren.
Was bei den allermeisten Saxklingen aufviel, ist dass kein Löcher für Paßstift zu finden sind.Die Passung wurde mit glühenden Handteilen ins Holz gebrannt.
Ich werd in Kürze in einem Museum den Keller besuchen, dort sind noch sehr viele unterschiedliche Saxe aufbewahrt, welche nicht ausgestellt sind. Da freu ich mich wie Schmidts Katze. ( Bilder soweit möglich folgen)
So wie ich jetzt schon herausgefunden habe sind auch die Griffe hier im Zollernalbkreis nicht mit Paßstiften gesichert worden. Aktuell bin ich auf der Suche nach einem Sax, das bei Ausschachtungen für ein Haus in meinem Heimatdorf "verschwunden" ist.
Anbei mal das Sax von unserem "Clanchefe" und eines anderen Alamannen.
Ich verweise mal auf die Dissertation von: Georg Schmitt aus Herzebrock/Westfalen Pirna 2005 >> Die Alamannen aus dem Zollernalbkreis". Da sind fundierte Erklärungen und auch Bilder drin.

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Wilfrid (✝)
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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Wilfrid (✝) » 10.04.2016, 07:20

Mein lieber Sheriff, die Blutrillen haben die Alten ja auch vor dem Härten reingemeißelt....
Du brauchst ja nen weichen Rücken und ne relativ harte Schneide. Und wenn du das Messer selektiv härtest, kann die Wärme aus dem Rücken nicht soo schnell in den Rest fließen wie ohne Rille und Dein Rücken bleibt weich.
Damit kannst Du ohne Schaden auch mal das Messer durch ein Stück zu spaltendes Holz treiben oder mit dem Klingenrücken eine härte Schneide eines anderen Messers rausfangen, ohne das Dir die Klinge des anderen auf die Knoche haut.

Was die Länge angeht, das ganze Unterarm lang, also vom aufgesetzten Ellenbogen bis zur Fingerspitze des längsten Fingers und den Griff 1 1/2 handbreit lang. Im Rücken 1/2 klein Finger dick und dann 3 Finger breit.
Ergibt ein SEHR führiges Messer, wenn der Griff nicht dicker oder Schmaler als die Schneide ist. Mit sowas kann man so ziemlich alles machen, Bäume fällen, Bogen bauen, Holzhacken , Schweine Schlachten oder Wildschwein o.ä abfangen. Naja, und wenns denn sein muß, auch mal nen Römer oder Franken vom Leben zum Tode befördern, aber dafür gibts bessere Geräte.

Kotlettstränge teilen geht auch sehr gut ...

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 22.04.2016, 18:53

Hallo Wilfried,
hast recht. Hätte ich die vorher gemacht..... Wie sag ich immer; einmal nur, einmal nur mit Profis arbeiten.
Ne, beim nächsten wirds besser, bzw. ein anderes soll sein nach original Funden hier aus dem Zollernablkreis. Demnächst steht ein Besuch an in einem Museumskeller, dort sind mehrere coole Saxe und Spathas gelagert, welche auch Platzgründen nicht ausgestellt sind.
Was die Maße angeht, hab ich schon den einen oder anderen Tip bekommen, deine Angaben stimmen mit denen überein die ich bisher so gesammelt habe.
So 5mm am Rücken und gleichmäßig runter schleifen auf Null an der Scheide, auch deine Erfahrung? Härten vor dem runterschleifen wegen Verzug?
Gruß Jürgen

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Wilfrid (✝) » 23.04.2016, 18:01

Ungehärtet kannste feilen, der Fachmann schmiedet "auf Schärfe", dann Rillen rein und dann härten. Sofort nach dem Härten richten, wenn Du das ganze eintauchst. Beim anlassen aus der "Schmiedehitze" /Härtehitze geht das nicht. Is Übungssache und kommt auf den Stahl an.
Normal bleibt so ein Teil aber gerade, ansonsten eben "gerade schleifen, is sehr mühsam
Anschließend noch Rest schleifen und das ganze polieren/Blaupließen

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 01.12.2016, 20:25

Sodale nun ein kleines Update für das Bronzeschwert aus dem Thread hier.

Handgriff Eiche, der Rest ist bekannt.
Fixierung mittels kleinen Bronzestifte, verklebt werden die Handgriffteile mit Baumharz.- und Bienenwachskleber.
Dateianhänge
DSC06759_4.jpg
Komplettansicht
DSC06762_2.jpg
Handgriff in Rohform_2
DSC06763_3.jpg
Handgriff in Rohform_1
DSC06761_2.jpg
Handgriff in Rohform

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 24.01.2017, 21:20

Hallole,
anbei mal ein kleines Update für meine weiteren Saxe und Co. Mein eigenes Sax ist nun fertig und harrt noch der 3 Saxnieten aus Bronze von Hakun Risti, die noch montiert werden müssen. Das Bronzeschwert benötigt noch seine Schwertscheide und das Gehänge.

Aber das abslutes Highlight für 2017 war der Besuch des Heimatmuseums.
Wir durften in unserer Heimatstadt die Kellergewölbe des Museums besuchen und die darin ausgestellten Funde aus der Alamannenzeit begutachten und auch in die "behandschuhte Hand nehmen". Das iss wie Weihnachten Ostern, Neujahr und Geburtstag zusammen. ;D
Mehr als 1 Jahr Vorbereitung und viele Terminversuche waren nötig.
Wenn ich mir das eine Sax anschaue mit welcher Präzison dieses bearbeitet wurde, Hut ab vor dieser Handwerkskunst. Auf der gesamten Länge keinen Millimeter Abweichung auf den Klingen des Sax oder des Spatha.
Die kleinen Zierlinien auf den Klingen in perfekter Präzision. Die Saxklingen in V-Form von 5mm am Rücken zur Schneide auf Schärfe geschmiedet.
Bei allen hier gefundenen Saxe ist die Klingenstärke immer 5mm, eines sogar 7mm.
Die Spathas hatten alle mindestens 5cm in der Breite und zwischen 75-85cm reine Klingenlänge. Ich bin so was von happy über die Sachen. Wir konnten ein Sax in sehr guter Qualität 1:1 auf einen Karton übertragen. Somit haben wir nun die genauen Maße und Zierllinien um ein paar Saxe aus dem Zollernalbkreis zu reproduzieren.
To be continued.
Dateianhänge
Spatha ganz genau gucken.jpg
Sax_6_riesige Angel.jpg
Sax_4.jpg
Sax_2.jpg
Sax mit Maßstab_ mein nähstes.jpg
Nächstes Projekt!
Das is ein Sax von einem Sax.jpg
Spatha schlechter Zusatand aber mit Parier.jpg
Parier 9cm breit
Spatha-5cm breit-80cm, ca 800 Gramm.jpg
Und messen war angesagt
Spatha_1.jpg
Spatha in gut erhaltenem Zustand

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Spanmacher » 24.01.2017, 22:23

Herzlichen Glückwunsch zu der gelungenen Aktion.
Sowas gehört wohl zu den Sternstunden.
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 25.01.2017, 20:47

Hi Spanmacher,
ja so isses. Teil zwei der Besichtigung folgt in absehbarer Zeit, da sind dann auch die Töpferwaren dran.
Wir hatten da im Zollernalbkreis wohl so einige größere Funde aufzuweisen, die in verschiedenen Museen verteilt ausgestellt sind.
Siehe "Kräuterkasten " in Albstadt Ebingen.

Gruss Jürgen.

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Spanmacher » 25.01.2017, 21:12

Im Zollernalbkreis schlummert wohl so das Eine oder Andere vor sich hin...... Das Schloss ist halt doch nicht alles.
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Sherrif Sherwood » 26.01.2017, 20:23

Ja Du must mich mal besuchen kommen,
ein zwei Pfeile schmeissen gemütlich was essen und trinken und anschliessend den Kräuterkasten besuchen, da sind die meisten Alamannensachen.
Mein Besuch steht ja noch aus.....also schwäbisch/badischer Interessenaustausch ist angesagt.
( 10.04. - 21.04. Ostern oder Pfingsten 06.06. - 16.06. ) wäre bestens geeignet?
Gruss Jürgen

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Re: Alamannnen Sax und Keltenschwert aus Bronze

Beitrag von Spanmacher » 26.01.2017, 21:24

Du hast PN, Jürgen.
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.

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