endloses Endlossehnenproblem

Selbstgebaute Ausrüstungsgegenstände wie Armschutz, Köcher, etc.
Ralph
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endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Ralph » 26.03.2021, 23:05

Hallo allerseits,

mal wieder ein Problem, angesichts dessen die Welt sicher untergeht, wenn es nicht gelöst wird....: :D

Als ich vor einigen Jahren mit meinem eigens gebauten Sehnengalgen begann, Endlossehnen selbst herzustellen, ging ich mangels anderer Quellen nach einem Buch und den hier abgelegten Skizzen von Rabe im Wiki vor – soweit so gut. Letztlich klappte auch alles.

Aber eben nur letztlich – und nach diversen Versuchen.

Denn eine Sache blieb für mich bis heute etwas rätselhaft:

Rabe empfiehlt im Wiki den Galgen ca. 2 cm länger für den Bogen einzustellen. Machte ich beim ersten Male auch. Dies Sehne war prompt zu kurz.

Dann habe ich 3, 4 oder 5 Sehnen mit mehr als zwei Zentimetern Längenzugabe gebaut: Ergebnis war, dass die ersten ebenfalls zu kurz, die letzten zu lang waren.

Irgendwann hatte ich eine Art Mittelwert raus – für einen Bogen, den ich dann auch immer benutzte. Die herzustellende Sehne und somit auch die zuzugebende Länge war daher „fix“ – auch im Kopf.

Nun ein neuer Bogen und ca. 1 Jahr „Sehnenbauabstinenz“ nebst Vergessen des Wertes der Längenzugabe.

Also nach Gefühl, auch angesichts der "längeren Länge" (welch Wortschöpfung… ;D ) der Sehne etwas mehr an Längenzugabe. Und Glück gehabt, die Länge stimmte dann wieder.

Es ist jedes Mal irgendwie immer ein spannend-banger Moment, wenn man die Längen der Ausgangs- und der produzierten Sehne vergleicht. Die Frage dann immer: War die Arbeit jetzt wieder für die Tonne ?

Dennoch stört mich diese Arbeit „nach Gefühl“ etwas; es ist nicht nur unsicher, es ist schlichtweg unprofessionell.

Videos im Netz helfen wenig: Der eine gibt 5-6 cm zur Ausgangslänge hinzu, der nächste gar nichts.

Dass es auch darauf ankommt, wie straff man die Endenwicklungen /Öhrchen umwickelt, ist mir mittlerweile auch gewärtig.

Aber irgendwie habe ich keine standardisierte Lösung. Peinlich insbesondere dann, wenn man jemandem erklären müsste, warum man was wie macht.

Ist dieses Problem bekannt bzw. gibt es eine praktikable Lösung ?

Danke
Ralph
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Bowster » 27.03.2021, 06:31

Einfach noch mehr Sehnen bauen, ich mache auch nur nach Gefühl, und in mehr als 90% passt es dann perfekt ;) .

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Snake-Jo
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Snake-Jo » 27.03.2021, 10:04

@Ralph
Ich messe und meine nach 20 Jahren Sehnenbau (fast nur Endlos): ja, es geht mit Messung exakt. Man muss berücksichtigen:
- Sehnenmaterial (z.B. Fast Flight dehnt sich kaum, B50 aber viel)
- Bogenart: ein Longbow hat z.B. eine längere Sehne als ein Reiterbogen, also auch mehr dehnfähige Länge
- Zuggewicht: ein starker Bogen zieht eine exakt bemessene neue B50 problemlos "flach"



Vorgehen: Ich messe die alte Sehne bzw. die Sehnenlänge einer Behelfssehne am exakt eingestellten Bogen. Ich stelle den Sehnengalgen auf genau diese Länge und arbeite nur mit FF.
Die neue Sehne dehnt sich immer ein wenig, wird dann eingedreht (ca. 10 x), eingewachst und alles paßt.
Entsprechend paßt es dann nur bei meinem Zuggewicht um die 50 lb und FF, sowie Longbows von ca. 180 cm.
Das klappt bis ca. 50 lb, darüber baue ich die Sehnen etwas kürzer. Bei kurzen Composits (Reiterbogen und Co.) muss weniger eingedreht werden, oder aber die Sehne minimal länger gehalten werden.

Vorschlag: Mach eine "ewige" Tabelle und trag deine Daten für jede neue Sehne ein,und werte aus. ;)

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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von schnabelkanne » 27.03.2021, 12:19

Servus, ja das Problem kenne ich gut, ich habe nun viele Sehnen auf Vorrat (Fehlversuche), meist passt dann eine.
Lg Thomas
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Ralph » 27.03.2021, 13:04

Schön...zumindest ist geteiltes Leid halbes Leid und ich sehe, dass ich nicht der einzige .... bin.

@ Jo:
Ich meine weniger, dass sich die Sehne am Bogen dehnt (oder meinst Du das nicht ?), sondern dass sie nach der Herstellung eben schon kürzer oder länger ist, als die Originale - weil ich eben unfähig bin.

Aber das mit der Tabelle ist eine gute Idee - einfach eintragen, um wie viel länger ,man den Galgen bei der Sehne X für den Bogen Y einstellen muss. Das enthebt zumindest von dem Problem, sich später nicht mehr erinnern zu müssen.
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Neumi » 27.03.2021, 15:29

Was soll ich sagen, ich baue Sehnen nicht besonders gern. Ich baue zwar fast nur flämisch gespleißte Sehnen, aber für Sehnen mit langen Ohren eben doch Endlos-Sehnen.
Und bei beiden Sehnenarten habe ich das gleiche Problem der verschiedenen Längen - bei den Endlossehnen liegt es wohl daran, dass ich den Typ selten baue und dann offensichtlich von Mal zu Mal unterschiedlich starke Spannung beim wickeln auf dem Sehnengalgen benutze. Nur wie man das vereinheitlichen kann - wahrscheinlich nur durch Übung.
Grüße - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

Ralph
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Ralph » 28.03.2021, 11:02

Danke an alle.

Also irgendwie doch nicht standardisierbare Gefühls- und Übungssache, flankiert mit Notwendigkeit des Aufschreibens von Werten gegen das Vergessen.

Ralph
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Selfbower » 29.03.2021, 11:47

Ich vermute, Du möchtest bei Endlossehnen bleiben... ansonsten sind einseitig flämisch gespleißte Sehnen und ein Bogenbauerknoten durchaus eine praktikable Lösung :-P

Da hat man keine Probleme mit der Längeneinstellung, da man dort einfach den Knoten versetzen kann.


LG. Daniel

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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Ralph » 29.03.2021, 11:57

Ja, ich möchte und muss dabei bleiben.

Mandschu-Bogen schießt man nicht mit flämisch gespleissten Sehnen.
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von baxmann » 30.03.2021, 13:59

Ralph hat geschrieben:
29.03.2021, 11:57
Ja, ich möchte und muss dabei bleiben.

Mandschu-Bogen schießt man nicht mit flämisch gespleissten Sehnen.
Ralph,
Dein Problem läßt sich durchaus in den Griff kriegen.
Dazu werden aber noch folgende Angaben benötigt:
1) welches Sehnengarn verwendest Du?
2) wie stabil ist Dein Sehnengalgen hinsichtlich Maßhalten der stramm gewickelten Sehnenstänge?
3) nimmst Du die gewickelte Sehne vor Anbringung der Mittenwicklung ins Steckbett?
4) welches ist die Bogenlänge in Zoll?
5) Gilt für Deinen Bogen auch die Faustregel: Bogenlänge minus 3 Zoll gleich Sehnenlänge?
Ich selbst wickel meine Endlos Sehnen seit Jahr und Tag auch auf einem selbst gebauten Sehnengalgen, der bei den sehr stramm gewickelten Garnsträngen an den Holmen etwas nachgibt. Diesen "Längenschwund" habe ich ermittelt und wird vor Beginn der Wicklung auf dem Sehnengalgen zugegeben.
Gruß

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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Anasazi » 05.04.2021, 03:31

Mich würde mal interessieren, warum Mandschu Bögen nicht mit gespleißten Sehnen geschossen werden sollten?
Wenn die Sehne von der Länge passt und passende Öhrchen hat, ist es doch erstmal egal wie die Sehne gebaut wurde - oder habe ich da was falsch verstanden?

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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von fatz » 05.04.2021, 09:12

Die Ohren kannst halt bei Endlossehnen schoen umwickeln. Bei gespleissten Sehnen ist das ein ziemliches Gewuerge.
Andererseits sind die gespleissten Ohren doppelt so stark ???
Haben ist besser als brauchen.

Ralph
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Ralph » 05.04.2021, 10:08

@ baxmann

Danke aber:

Der Galgen ist stabil.
Das Garn ist FF, es verändert sich also beim Wickeln von der Länge her nicht, es sei denn, man wickelt bei Anbringung der Ohren zu stark und dreht dadurch die Sehne eben selbst schon ein, was sie letztlich zu kurz werden lässt.
Die Faustregel gilt nicht - insbesondere werden die Bogen durch das Aufspannen nicht kürzer, sondern "länger", da der Reflex aufgespannt wird.
Bzgl. Steckbett weiß ich nicht, was Du meinst - bevor ich die Mittenwicklung anbringe, ist die Länge der Sehne bereits klar, will heißen, sie ist dann schon entweder zu lang oder zu kurz.

Ein entsprechendes Nachgeben des selbstgebauten Galgens mag mit eine Ursache sein, wenn man Länge zugeben muss. Die andere Ursache ist aber wohl eben auch die Wickeltechnik/Stärke der Wickeltechnik an den Ohren und somit ein zu starkes Eindrehen. Das glaube ich aus den Beiträgen der anderen herausgelesen zu haben.

Anaszi:
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Neumi » 05.04.2021, 10:27

Ralph hat geschrieben:
05.04.2021, 10:08
Bzgl. Steckbett weiß ich nicht, was Du meinst - ich vermute, dass hier StReckbett gemeint ist.

Die andere Ursache ist aber wohl eben auch die Wickeltechnik/Stärke der Wickeltechnik an den Ohren und somit ein zu starkes Eindrehen. Wenn beim wickeln die Stränge eingedreht werden, dann zeigt sich das darin, dass sich die Ohren als gesamtes verdrehen. Ich mach das so, dass ich die Sehne direkt neben der Wickelmaschine fest halte und zum anderen die Wickelmaschine so einstelle, dass nicht zu fest gewickelt wird. Das ist aber sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Vielleicht hilft es auch den zu wickelnden Bereich etwas gegen die Wickelrichtung einzudrehen, so dass im Endeffekt keine Verdrehung entsteht.
Ich vermute, dass der Knackpunkt der nachgebende Sehnengalgen ist. Mein selbst gebauter Sehnengalgen ist zwar sehr stabil, gibt aber trotzdem etwas nach und deswegen werden die Sehnen zu kurz - da bin ich mir jetzt fast sicher. Also mal Sehnengarn aufwickeln und mit einem Winkel checken wie groß die Abweichung der aufrecht stehenden Stäbe von 90° ist. So kann man zumindest prüfen, ob der Galgen nach gibt.

Grüße - Neumi
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Re: endloses Endlossehnenproblem

Beitrag von Anasazi » 05.04.2021, 10:47

Es können doch auch sehr große (lange) Ohren gespleisst werden und dadurch, dass in einer gespleissten Sehne doppelt soviel Stränge im Öhrchen sind, muss auch nichts umwickelt werden (ausser vielleicht eine Mittelwicklung 8) )

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