Meine ersten Schritte zum Messerbau

Hier kommt alles rein, was in irgendeiner Form mit der Herstellung von Messern zu tun hat.
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Eibenschneider
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Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Eibenschneider »

Kleine Anektote, wie ich zum Messerbau kam.

Seinerzeit ging ich zum Schrotthändler, um Bleche für eine Rasenabtrennung zu kaufen.
Auf einem der großen Blechflächen (ca. 120 cm X 150 cm, 3 mm dick) stand 42CrMo4.
Das wollte ich haben und bat den Schrotthändler, es mir in Streifen auf der Schlagschere zurecht zu schneiden.
Ich wies ihn auf das Material hin.
Er lachte nur und sagte, daß die Schere auch 6 mm kann (für den war Stahl eben Stahl..).
Als er loslegte, flog ihm das Ding fast auseinander.
Aus einem Rest fing ich an, ein Messer vorzuschleifen, Schneide noch 0,3 mm dick gelassen, auf einem umgebauten Gartengrill mit Holzkohlebriketts und dem Fön meiner Frau (Fön ging kaputt, Frau blieb..), anzuwärmen auf gleichmäßig Kirschrot, Abschrecken in Öl (das alte Frittenöl aus dem Öli) und auf der Herdplatte wieder Anlassen, bis die Schneide mir nicht mehr zu hart erschien. Dann fertig geschliffen. Griff aus dem Kernholz eines Zwetschgenbaums.

Griff verbinde ich mit der Klinge mit Epoxymasse, das ist für Küchenmesser, so finde ich, am besten geeignet (dichtet die Verbindung ab und hält bombenfest, ist dann gut überschleifbar).

Das oberste Messer der Abbildung ist so entstanden.
Messer.jpeg
Härtewerte (z.B. HRC) anzugeben, finde ich im Freizeit Messerbaubereich nicht sinnvoll.
Messung geht ja nur auf der Wange, da ist das Material aber viel Stärker als an der Schneide, dh. Schneide ist je nach dem oft deutlich härter (Abschreckgradient höher), zumindest bei den Feld- Wald- und Wiesen Vergütungsstählen und den Kohlenstoffstählen (auch aufgekohlt..).
Ich denke eh, daß hohe Schärfbarkeit nicht von der Schneidenhärte her kommt, sondern von der Feinkörnigkeit des Stahls. Härte hat eher Bedeutung für die Schneidhaltigkeit.

Ein Schmid (also mit Esse und Werkstatt..) zeigte mir mal sein Brotzeitmesser.
Aus einfachem Baustahl, fertig geschmiedet im weichen Zustand, im Kohlenkasten aufgekohlt, gehärtet und angelassen, geschliffen.
Ein hervorragendes Messer mit hoher Schärfe und Schneidhaltigkeit aus einfachstem Material.
Indie12
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Indie12 »

Hallo, danke für die Anekdote.

Wie kohlt man denn im Kohlenkasten auf?
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Spanmacher
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Spanmacher »

Hallo Eibenschneider.
Ich habe Dir eine Private Nachricht (PN) geschickt. Hast Du sie gesehen?
Ein zu hohes Zuggewicht ist nichts anderes als Körperverletzung und verhindert darüber hinaus einen brauchbaren Trainingseffekt.
Eibenschneider
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Eibenschneider »

Der Kohlenkasten ist ein Blechkasten mit Kohlengranulat (Staub) drin.
Wird von Wärmebehandlungsfirmen und Schmieden benutzt.
Es nennt sich Einsatzhärten.
Einsatzstähle (das sind Stähle, die i.d.R. mittelmäßig Kohlenstoff gelöst haben, z.B. 0,3% und oft legiert sind) werden da eingesetzt, der Kasten auf Temperatur gebracht, dort so stundenlang gelagert.
Dann diffundiert der Kohlenstoff in die Oberfläche des Stahls, aber nur ca. 0,2..0,5 mm tief.
Beim Härten wird dann die Oberfläche härter als das Innere und bekommt eine leichte Druckspannung, da das Volumen dieser Schicht gering größer ist.
Das ist gewollt so und verbindet Zähigkeit im Inneren mit Härte und Verschleißfestigkeit an der Oberfläche.
Das wird bei Achsen, Wellen, Zahnrädern gerne so gemacht.

Geht natürlich auch im Messerbau, wobei das Halten der Temperatur im Kasten für mehrere Stunden sicher anspruchsvoll ist (ein Schmid hat aber oft eh die Esse angefeuert..).
Indie12
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Indie12 »

Und welche Temperatur brauchts da?
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fatz
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von fatz »

Guckst du da: https://de.wikipedia.org/wiki/Einsatzh%C3%A4rten
Meines Erachtens daheim schwierig mit vorhersagbarem Ergebnis machbar
Haben ist besser als brauchen.
Eibenschneider
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Eibenschneider »

Ich schließe mich dem Fatz an.
Diffusionstemperatur ist rel. hoch, je nach Stahl, die zu halten ist schwierig, Aufkohlen ist zwar wirksam, aber extrem aufwändig für uns Hobbywerker.
Das Ergebnis eher unsicher.
Oft entsteht dabei CO (Kohlenmonoxid), eben giftig.
Indie12
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Indie12 »

Dank euch!
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Re: Meine ersten Schritte zum Messerbau

Beitrag von Holzbieger »

Eibenschneider hat geschrieben: 11.01.2026, 10:12 Ich schließe mich dem Fatz an.
Diffusionstemperatur ist rel. hoch, je nach Stahl, die zu halten ist schwierig, Aufkohlen ist zwar wirksam, aber extrem aufwändig für uns Hobbywerker.
Das Ergebnis eher unsicher.
Oft entsteht dabei CO (Kohlenmonoxid), eben giftig.
Dem stimme ich nur zu. Für den Hobbybereich nicht vernünftig zu machen. Lieber einen einfach zu härtenden Stahl nehmen, dann wird auch des Ergebnis konstant.

Oft entsteht dabei CO (Kohlenmonoxid), eben giftig. Das ist nicht die Ausnahme die oft entsteht sondern sogar gewünscht, es ist das CO welches in den den Stahl diffundiert und für die Aufkohlung sorgt.

Gruß

Roland
- Es ist besser ein gute Entscheidung rechtzeitig zu treffen als eine sehr gute zu spät.
- Ancora Imparo
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