Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

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Uranus79
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Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Uranus79 » 08.08.2020, 15:13

Hallo,

Kann es sein, dass Strauchbrüche eher auftreten, weil Holz trocken aber nicht vollständig trocken ist?

Wie komme ich auf die Idee? Für den Sohn eines Freundes habe ich aus Hasel zwei Kinderbögen gebaut, 140cm lang, kurzer, nicht biegender Griff. Das Holz war ein langer Ast mit 2cm Durchmesser, nach Abschneiden ca. zwei Wochen getrocknet, bis es laut Waage kein Gewicht mehr verlor. Dabei nahm ich es nicht so genau, vermutlich hätte es noch ein paar Tage mehr trocknen sollen, aber der Junior kann's kaum erwarten :D naja getillert und maximal ca. 22" ausgezogen. Jetzt zeigen beide recht gleichmäßig verteilt Runzeln über den Bauch. Nicht dramatisch, überlastet waren sie lokal auch nicht, entweder war es für die Kürze der Bögen zuviel Auszug oder eben noch nicht richtig trocken? Gerade Hasel von der Dicke sollte den Biegeradius problemlos aushalten.

Viele Grüße,
Uranus

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TorstenT
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von TorstenT » 08.08.2020, 16:21

Was für einen Querschnitt haben denn die Wurfarme? Bei 2cm Durchmesser des Astes wohl eher hoch, als flach. Das mag Hasel nicht so gerne und quittiert das gerne mit Knitterfalten am Bauch - insbesondere nach sportlichen 2 Wochen Trocknungszeit... Hasel trocknet ja schnell, aber 6 Wochen sollte man ihr schon gönnen.
Das Verhältnis Länge zu Auszug passt eigentlich; bei zwei mal Auszug plus Griff als Richtwert gäbe das ca. 109,5cm plus Griff als Mindestmaß. Nachdem der Griff ja - wie Du sagtest - kurz ist, sollte das passen.

LG
Torsten

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Uranus79
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Uranus79 » 08.08.2020, 17:26

Ich habe einfach bauchseitig Material abgenommen, so circa die Hälfte griffnah, dort sieht man den Markkanal. Eben genau das Profil eines halben Astes.
Naja bei so dünnen Stöckchen und den Umweltbedingungen trocknet das schnell. Vermutlich aber nicht so schnell wie es aussah, meine Vermutung ist, dass das Holz durch fehlende Trocknung weniger Festigkeit hat und daher eher kollabiert...
Gruß, Uranus

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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von schnabelkanne » 08.08.2020, 21:12

Servus, Hasel, Esche, Robinie .... neigen zu Kompressionsbrüchen, meine Staves waren schon trocken genug mir wäre da nichts aufgefallen.

P.S. kann bitte jemand den Titel korrigieren. [Strauchbrüche]

erledigt, Heidjer
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Uranus79
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Uranus79 » 09.08.2020, 20:54

Habe ich Strauchbrüche geschrieben? Auweia. Hitze oder Spracherkennung oder beides... Danke Dirk für's korrigieren.

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fatz
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von fatz » 09.08.2020, 21:11

Zum Thema: Ich glaub nicht, dass es die Feuchte war. Eher schlechtes Holz. Ich hab vor einer Weile zwei Kinderboegen gebaut mit 10# auf 14". Einer Pfeifenstrauch einer Hartriegel. Gehen beide ab wie Schnitzel.
Haben ist besser als brauchen.

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Uranus79
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Uranus79 » 09.08.2020, 22:18

Hmmm, bei fatz da muss ich ja fast fragen, schlecht für Hasel oder schlecht weil Hasel? ;-)
Also für das Zuggewicht sind sie durchaus nicht langsam und ich habe heute einen 8 jährigen Jungen sehr glücklich gemacht.
Allerdings wäre natürlich bei Restfeuchte denkbar, dass die Holzzellen eher kollabieren (daher meine Vermutung). Bei Hasel gibt's aber scheinbar eher mal so oberflächliche Runzeln, die wohl auch nicht so schlimm sind - naja solange er hält ist OK aber die Tatsache von Strauchbrüchen hat mich schon gewurmt, wenn sie nur wenigen Stellen wären dann wäre es klar (mein) Tillerfehler, aber da hab ich schon vorsichtig gearbeitet und sie waren über den ganzen Wurfarm verteilt. Klima und Erntejahreszeit helfen sicher nicht, oder der Strauch war einfach Murks, wie von fatz vermutet...

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fatz
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von fatz » 10.08.2020, 07:13

Uranus79 hat geschrieben:
09.08.2020, 22:18
Hmmm, bei fatz da muss ich ja fast fragen, schlecht für Hasel oder schlecht weil Hasel? ;-)
Beides ;D
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Kemoauc » 14.08.2020, 15:22

Hi,Uranus,
an der Feuchte lags sicher nicht, feuchter Hasel kriegt einfach nur enorm Set. Mir scheint nur,das hasel erst ab einer gewissen Dicke eine halbwegs ordentliche Festigkeit entwickelt.Auch für Kinderbögen würde ich nie einen unter ca 3,5cm Dicke nehmen,alles darunter hat sich trotz guter Trocknung und Tiller bei Kinderbögen nie als brauchbar erwiesen. Und ich hab ne Menge Kinderbögen gebaut. :D Hartriegel und Triebe von Pflaume,Zwetschge etc. haben sich hier deutlich besser geschlagen, die können für Kinderbögen schon ab >2cm Dicke richtig gute Bögen ergeben und sind aufgrund ihrer höheren Festigkeit auch deutlich robuster gegen unachtsame Mißhandlung ;) -- sind ja Kinder :D .
ups,habs grad erst gelesen... Du hattest 2cm Hasel genommen, hmja.. Again What learned :D daraus kann man prima Schleuderspeere und Pfeile machen,aber für nen Bogen fehlt diesem Holz in diesem Stadium definitiv die Festigkeit.
Holler sollte aufgrund des dicken Markkanals auch eher bei 3,5cm+ liegen,denn der geht einfach von der verfügbaren Holzdicke ab.Apfel ist auch ein Glückspielkandidat,der kann entweder richtig gut sein (dann auch schwer) oder meist als wassertrieb seinem Namen alle Ehre machen :-\ .
Hab Dir mal nen Link reinkopiert,wie*s mit haselbögen für Kinder laufen kann,aber auch muß,eben wg. seiner Wuchsbedingungen und des doch recht engen Fensters zw. 3,5cm= taugt und >10cm=taugt nix mehr. Ist allerdings nur meine eigene Erfahrung ;)
viewtopic.php?f=15&t=29930
TopDown,also runtertillern, find ich mittlerweile, wenn's nix anderes als Hasel gibt,die deutlich erfolgversprechendere Methode,ansonsten -- Hartriegel ;D
Grüßle,
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Kemoauc » 14.08.2020, 15:40

@ Fatz: manchmal,aber nur.. manchmal... beschleicht mich das Gefühl, das dir noch ein GUTER Haselbogen in der Sammlung fehlt -- musst Du halt selbst machen :D Der verzeiht halt nicht soviel wie unser beider Lieblingswegebewuchskraut, aber wer nen Fichtenbogen mit BUMS baut, sollte doch auch mal nen Hasel hinkriegen ;D
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Neumi » 14.08.2020, 19:39

Kemoauc hat geschrieben:
14.08.2020, 15:40
, aber wer nen Fichtenbogen mit BUMS baut, sollte doch auch mal nen Hasel hinkriegen
Da war @fatz aber nur der "final terminator"
Grüße - Neumi
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fatz
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von fatz » 14.08.2020, 20:25

@Neumi: Er meint meinen Fichtenbogen. Der hatte mit 70# etwas mehr als der von Tom und lebt auch noch, wenn auch mit viel Set.

@Kemoauc: Ist ja ned so, dass ich's ned probiert haett. Ich mag das Zeugs halt einfach ned. PUNKT! Und warum soll ich mich damit rumquaelen, wenn's so viel besseres Holz gibt?
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Neumi » 14.08.2020, 20:51

@fatz, oki, kleine Verwechslung :)
Was junge Bäumchens betrifft (ich sag zu Hasel jetzt auch mal Baum). Die Dinger müssen sich bei schwerem wetter biegen können, Schneelast aushalten... weil sonst Ende mit der Zukunft als großer ist.
Als Faustregel kann man sagen, dass die Holzdichte mit dem Alter zunimmt. Je älter der Baum wird, desto größer, relativ zwischen jung und alt betrachtet, wird der Ligningehalt und somit die Druckfestigkeit.
@kemoauc. Dass Hasel über 10 cm weniger gut für den Bogenbau geeignet ist, halte ich für eine Fehleinschätzung (möglicherweise aufgrund der Tatsache, dass ältere Hasel schwer zu finden sind und kaum Jemand den Versuch gemacht hat aus nem alten einen Bogen zu bauen) - quot erat demonstrandum.
Ich hab hier noch so ein Schätzchen aus ca. 800 m Höhe liegen (die Jahrringe sind nicht ganz einfach zu zählen, aber so 25 Jahre sollten das sein), mal sehn was mit dem geht ;D
20200814_200733.jpg
Grüße - Neumi
Zuletzt geändert von Neumi am 15.08.2020, 15:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Uranus79 » 15.08.2020, 14:04

Hallo kemoauc,
Vielen Dank für diese hilfreiche Information. Dass es an der Dicke bzw dem Alter des hasels liegen könnte, darauf wäre ich nicht gekommen. Sehr interessant!

Viele Grüße, Uranus

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Re: Stauchbrüche weil nicht ganz trocken?

Beitrag von Kemoauc » 19.08.2020, 21:22

Hi,Uranus,gern geschehen. :)
Ich versuch mal,das zu interpretieren: Hasel wächst anfangs sehr schnell, dadurch bleibt erstmal um den Markkanal eine Zone nicht ganz so dichten Holzes,also (fast) nutzloser Kram,ähnlich wie der Markkanal beim Holler. Also geht das ebenso von der verfügbaren Holzmasse ab und druckfest ist das kein bißchen. Diese zone des Schnellwachstums nimmt m.E. +- immer den gleichen Raum in einem Ast ein, also je dünner desto weniger brauchbares Holz ist vorhanden.Bei dickeren Ästen und Stämmchen wird das sowieso entfernt und spielt keine Rolle mehr.Allerdings gibt es auch verschiedene Haselsorten,das mag also variieren. ::)
@Neumi: Ich hatte schon einen Hasel mit 15-25cm Dicke erhalten, aber der ganze Krams war entweder ziemlich gemein verdreht oder ,obwohl recht frisch,total versprödet. Ich hatte das Zeug allerdings nur aus einem Busch, demenstprechend auch keine Referenz, jedoch waren die Teile (der Beifang ;) ) unter 10cm alle wenig verdreht und brauchbar.Der "Busch" musste weg,da er bereits im 4ten Stock die Sicht verdunkelte. Es mag also ein Vorurteil sein,da lass ich mich gerne eines Besseren belehren. :D Nb sieht deine Probe (zumindest optisch) recht vielversprechend aus.Ich bin gespannt. ;)
@Fatz: Qual bei Hasel? ????
Grüßle
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