Reihenfolge Kompositbogenbau

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Elbenberger
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Elbenberger » 31.05.2019, 16:43

Ich benutze meistens den Hasenhautleim von Dictum ,die Küche riecht dann nach Karnickelstall aber meine Finger scheinen das nicht anzunehmen.Kann auch sein das mit dem Alter das Riechorgan nachlässt. ;)
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coryn
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 04.06.2019, 18:55

noch einmal etwas anderes, bei Adam K. habe ich gelesen, dass er seine Ahornrahmen mit der Rindenseite auf dem Bauch baut. Mag mir einer erklären, warum das besser ist? Ist das irgendwie zwingend? Bei Kaufholz ist es schwer das zu erkennen.
Danke

Windkanter
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Windkanter » 26.06.2019, 11:06

Hallo Coryn,

etwas verspätet schließe ich mich meinen Vorrednern an:

-Bitte erst den Karpowicz kaufen und lesen, das Geld ist absolut nicht in den Sand gesetzt und bewahrt einen vor einigen Missgeschicken.
--Zuerst Horn drauf (am besten mit Hausenblasenleim=Störblasenleim, ist teurer aber die Geliertemp. liegt niedriger als beim Hasenhautleim, was beim Aufkleben ein Vorteil ist, es sei denn man arbeitet in der Sauna).
--Bitte keine (!!!) Kiefer nehmen, Esche (für eingespleisste Enden und Griff, Schichtverlauf beachten) ginge oder Ahorn (sicher auch die anderen z.B. von snake-Jo empfohlenen Hölzer).
--Als Klebstoff kein P..... (obwohl das ein guter Holzkleber ist), sondern Hasenhautleim (Dictum, Kremer Pigmente etc.), der hält -richtig verarbeitet- noch besser. Man ist vom früheren Tischlerleim (aus Haut oder Knochen) abgekommen, weil dieser zwar sehr gut ist, aber meist aufwändig auf Heiztischen verleimt werden musste. Der jetzt übliche Kalt-Weissleim ist einfach besser zu handeln. Bei hochwertigen Klebungen (teure hoch-spannungsbelastete Musikinstrumente etc.) wird immer noch häufig Hasenhautleim genommen.

Beim Verkleben mit Zwingen, Klammern oder fachgerechter Strickumwicklung mit kräfigem Druck arbeiten, keine Fugen lassen (bei Hasenhautleim schon garnicht). Das Foto mit den verleimten (Kiefern?)-Stücken zeigt ein extrem hohes Risiko, daß Du am Ende bei den ersten Auszugstests Schiffbruch erleidest. Wäre schade um die viele Arbeit, "Machs gleich von Anfang an richtig" (kleine Fehler tauchen später sowieso auf, die man meist korrigieren kann).

Holz gibts (wenn man keine Beziehungen hat zu Förstern, Waldbesitzern etc.) notfalls im Laubholzsägewerk oder bei Bogenbau-Kollegen, Instrumentenbauern, Internet: Zubehör für Bogenbauer, hier keinesfalls den leichten Weg gehen (quick and dirty).

Dann zu A.K., Rindenseite auf Bauchseite.
Dies betrifft Holzkerne, die aus ca. 8-10cm dicken frisch geschlagenen Ahornstämmen gemacht werden, was auch in früheren Jahrhunderten die Bogenbauer meist gemacht haben. Bei dieser Dicke laufen im Bogenholzkern die Schichten nicht eben sondern bogenartig gekrümmt. Die Statik eines solchen Kerns ist etwas anders als bei flach laufenden Schichten und ev. sind auch die Zug-Druckfestigkeiten der inneren Schichten anders als aussen. Man hat damals die Holzkern-Bauchseite auch konvex geformt (belassen) und das Horn entsprechend konkav (weil der Rohstreifen aus dem ganzen Horn eben schon konkav ist), was statisch/festigkeitsmäßig Vorteile bringt. Nun kann sich nicht jeder im Wald ein Ahornstämmchen (ohne Aststellen) besorgen und man muss auf Holz anderer Herkunft zurückgreifen, z.B. ofengetrocknetes Holz aus dem Laubholzsägewerk. Geht auch gut. Hier ist die Rindenseite selten noch erkennbar, es sei denn man kauft ganze 4-6m lange 40mm dicke und 40-50cm breite Bretter im Laubholzsägewerk.

Kompositbogenbau war vor 2000 Jahren und ist es heute noch keine Sache für billig und schnell, hunderttausende von Bogenbauern haben dies bis heute bewiesen, auch wenn manche Leute sich das verständlicherweise anders wünschen. Die Unmenge von Bogen, die früher für Kriege eingesetzt wúrden, mussten bezahlt werden, damals hatte man schon längst auf möglichst rationelle, schnelle und preiswerte Arbeitsweise höchsten Wert gelegt. Das Resultat ist die Methode die heute noch u.a. Koreaner betreiben und die sind ja nicht blöd.

Viel Erfolg
Windkanter
Zuletzt geändert von Windkanter am 26.06.2019, 11:58, insgesamt 5-mal geändert.

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Elbenberger » 26.06.2019, 11:24

Hallo Coryn, Die Rindenseite auf dem Bauch bringt wohl am meisten bei einer konvex / konkaven Hornverklebung. Bei richtiger Holzwahl ist der konvexe Bauch fast fertig.
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coryn
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 01.07.2019, 12:17

Hallo zusammen,

vielen Dank für die Antworten. Ich stelle mir die Verzahnung von Horn und Rahmen bei konvex/ konkav recht anspruchsvoll vor. Schon die Herstellung des entsprechenden Werkzeugs. Ich war froh, im Baumarkt eine Feinsäge mit fast perfekten, gehärteten Zähnen gefunden zu haben, die ich mit wenig Aufwand umbauen konnte. Bei konvex/konkav muss man wohl deutlich mehr Zeit investieren.

Nun habe ich den ersten Komposit fast fertig, Pferdesehne/Ahorn/Wasserbüffel. Die Sehnen geklebt noch mit normalem Hautleim - Danke an Elbenberger, der Hasenleim riecht tatsächlich nicht so stark- und das Horn mit Endfest 300.
Habe bisher über die Tage verteilt etwa 50 Schüsse bei 26-28" gemacht, immer so 5-10 in einem Rutsch.
Bisher scheint alles gut, allerdings knackt der Bogen bei jedem Aufspannen und den ersten Würfen immer leise. Klingt ähnlich wie diese Knicklichter für Kindergeburtstage.
Ich weiß, die Ursache dafür ist der Hautleim. Bleibt das so, ist das normal? Oder steckt mir irgendwann ein Kasan im Kopf?

VG coryn

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Hieronymus
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Hieronymus » 01.07.2019, 17:04

Du bist eigentlich zu schnell... Ein paar Bilder wären schön und die Daten des Bogen(Länge/Breite/ Zuggewicht etc.)

Gruß Markus
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 01.07.2019, 17:24

Hi,
keine Panik, es sind nicht die Leisten von dir. ;D
Ich hatte vorher schon mein Erstlingswerk begonnen. Rein zum Üben habe ich das dann fertig gemacht. Ich wollte einmal selbst fühlen, wie die Materialien sich verarbeiten lassen, bevor ich das ganz gute Zeug auspacke.

Die Länge habe ich nicht mehr ganz auf dem Schirm, er hat aber 52 lbs bei 28". Ich stell morgen mal Bilder ein.
VG

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 02.07.2019, 09:44

Mist, doch nicht alles gut. Ein Wurfarm hat direkt am Griff einen Knick bekommen. :'(
IMG_4929.JPG
IMG_4927.JPG
IMG_4925.JPG
IMG_4921.JPG
Was kann ich tun? Bringt es etwas, den Bauch auf das Horn plan zu schleifen und zusätzlich eine Schicht Horn überlappend aufzubringen und eine zusätzliche Sehnenschicht auf dem Rücken?

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Elbenberger » 02.07.2019, 11:06

Da ist meiner Erfahrung nach der Holzkern gebrochen das ist das Knacken und der Knick ,in dem Falle das Teil als Deko an die Wand oder recyceln. Den Griffaufbau solltest du noch mal überdenken.
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Hieronymus » 02.07.2019, 11:08

Also ich denke dein Knacken kommt vom Griff. Der wird sich früher oder später lösen. Jetzt wird die Länge von NTN doch benötigt , um dir besser helfen zu können. Dies Siyahs sind so fett, das du locker ein Kriegsbogen mit 100# betreiben könntest. ;)
Zum Versteifen könntest du zusätzlich Sehnen im Grifbereich+4cm Fadeout auftragen. Vorne und hinten am Griff zusätzlich mit Sehne umwickeln, damit der Griff sich nicht lösen kann. Könntest du die Dicke von Griff bis zu den Tips in 5cm Schritten aufschreiben.(auf beiden Seiten) Bitte mach mal das Griffleder ab und schaue wie es darunter aussieht, hat der Gerd recht ist nicht mehr viel zu machen...
Ich denke du kannst zusätzlich Horn zu den Siyahs abtragen, um die Biegung etwas nach außen zu verlagern. Hattest du den Bogen mit Tepeliks eingebogen? Wie Dick ist deine Sehnenschicht? Links vor dem Giff ist er zu Steif Mach aber bitte erst mal nichts, bis wir alle Daten haben.



Gruß Markus
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 02.07.2019, 11:45

Ich hatte befürchtet, dass ihr das sagt. Aber sehen kann ich das wahrscheinlich nur, wenn ich Sehne oder Horn wieder runterhole. Von außen sehe ich keinen Bruch, muss aber nix heißen.
Die Sehnenschicht beträgt auf den Wurfarmen 3mm, am Übergang zum Griff 5mm. Die Länge N2N beträgt 122cm.
Maße.PNG
Unterfüttern ist keine Lösung?

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 02.07.2019, 11:51

Ach so, die Zahlen sind Angaben in mm. Vergessen ::)

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von coryn » 02.07.2019, 19:01

Es ist, wie Elbenberger gesagt hat. Der Kern ist an dieser Stell gebrochen.
Habe etwas Sehne von der Seite entfernt und da war es klar. Oh man, wie frustrierend...

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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von Becknbauer » 02.07.2019, 19:56

Herzliches Beileid!
Um dich zu trösten, keiner schafft es bei ersten Versuch einen Kompositbogen zu bauen. Ich habe auch einen erfolglosen Versuch hinter mir.
Einen ordentlichen Kompositbogen zu bauen ist Handwerklich schon höhere Kunst.
Gruß Wolfgang/Beck ' n ' Bauer

Nein, ich bin weder FC Bayern noch Fußball Fan.

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kra
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Re: Reihenfolge Kompositbogenbau

Beitrag von kra » 04.07.2019, 17:05

Sorry, hab den Thread eben erst bemerkt.
Holz und Hamburg - la lebst du ja eher wie die Made im Speck.... du hast mit Cropp (Großmoorring 10, 21079 Hamburg) und Nagel (Billstraße 118, 20539 Hamburg) alles vor der Haustür wofür andere mühsam aus Süddeutschland anreisen 8)

Wg Sehnen, die kannst du von deinem gebrochenen Bogen teilweise recyclen. Badewanne und einweichen, dann vorsichtig entwirren und getrennt nach Längen lagern. Vor der Wiederverwendung erneut einweichen, ausstreichen und dann erst in warmem Lein tränken. Evtl. kannst du die recyclten Sehnen für Randbereiche, Ausbesserungen und die Mittellage verwenden.

Aber besser, wenn auch aufwendiger ist es, mit frischen Sehnen
“Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.”
– George Bernard Shaw

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