Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

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joker047
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Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von joker047 » 26.02.2019, 14:43

Servus Leute,
ich bin neu hier und möchte euch um eure Erfahrungswerte bitten. Ich starte hoffentlich in Kürze meinen ersten Versuch, einen Bogen selbst zu bauen.
Das Bogenschießen selbst ist mir nicht fremd. Vor Jahren ist mir durch Zufall ein recht strammer Compound-Bogen zugelaufen, den ich noch heute mit Begeisterung schieße. Handwerklich schätze ich meine Fähigkeiten doch als brauchbar ein. Seit einigen Jahren bin ich in der Fertigung von Messern recht aktiv und auch auf anderen Gebieten hatte ich schon einige Projekte erfolgreich beendet...

Der Bogen, den ich beabsichtige zu bauen, wird aus einem Stück Holunder geschnitzt werden. Den Rohling stufe ich mit meiner beschränkten Erfahrung als sehr gut ein. Die Frage, die ich mir aber stelle bezieht sich auf die Wahl des geeigneten Jahresrings. Der Außenring ist grundsätzlich unbeschädigt und würde mir viel Arbeit ersparen, wenn ich den gleich als Außenring verwende. Allerdings fällt er im Vergleich zum darunterliegenden doch erheblich flacher aus.
Meine Logik besagt nun: starker Außenring = gut
Lohnt es sich, mich auf den 2. Ring vorzuarbeiten, oder sollte ich den äußeren verwenden wie er ist?


Auf den Fotos seht ihr die jeweiligen Stirnseiten, wobei die Markierungen in etwa die Lage der Wurfarme andeuten, welche ich aufgrund von Ästen so geplant habe.

Ich hoffe, ihr könnt mich ein wenig beraten.

lg aus Österreich
Andreas
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Bowster
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Bowster » 26.02.2019, 14:53

Falls der Rücken nicht verletzt ist, nimm doch gleich den unter der Rinde. Falls Du Ring(e) abtragen willst, bei Holler wg der Knubbel eher nicht so lustig, das Holz sieht ansonsten gut aus.

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Roby-Nie » 26.02.2019, 15:02

Hallo Andreas,
nimm den äußeren Jahresring, der ist dick genug.
Bei Holunder nen Jahresring runternehmen ist mindesten eine üble Stafarbeit und an den Nodien kannst du das kaum schaffen.
Schau, dass der Holler nicht zu trocken wird. Meiner Erfahrung nach führt die Lagerung unter 50% rel. Luftfeuchte zu den "berüchtigten" Brüchen im Rücken.
Zeig doch mal ein paar Fotos von deinem Rohling.
Gruß
Roby

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Ravenheart » 26.02.2019, 15:07

Jepp, obersten Ring nehmen. Und NICHT flach hobeln, alle Wellen und Gnubbel schön so lassen!

Rabe

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von joker047 » 26.02.2019, 16:54

Danke für die flotten Antworten und ich muss sagen, ich bin ein wenig erleichtert ;D
Bei Holunder nen Jahresring runternehmen ist mindesten eine üble Stafarbeit und an den Nodien kannst du das kaum schaffen.
Ja, hab's bei einem Reststück probiert, die ganze Länge wäre kein Zuckerschlecken!

Fotos vom Rohling reiche ich gerne nach. Flachhobeln hätte ich ohnehin nicht vor gehabt. Ich finde die natürliche Formung sehr ansprechend. Hightech und Steriles habe ich am Compound sowieso schon genug ;)

Das andere Ding auf den Fotos ist ein Hobel, den ich mir eigentlich für den Bogenbau in allen Teilen selbst gebastelt habe. Wie schon angemerkt, mit Klingen habe ich Erfahrung. Vielleicht findet Handwerkszeug hier Anklang, die Begeisterten dafür sind meiner Erfahrung nach eher selten zu finden. Jedenfalls ist es prinzipiell sehr einfach konstruiert, was meistens gut ist. Die Tests waren vielversprechend!
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Ravenheart » 27.02.2019, 09:27

Ah, ein traditioneller Holz-Schweifhobel... schön!... Ein alter Bekannter...
http://www.altes-handwerkzeug.de/museum ... chab1.html

Wo ist der her?

Rabe

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von joker047 » 27.02.2019, 10:16

Der Hobel? - aus meiner Werkstatt, wobei das Holz von einem Zwetschkenbaum stammt.

lg
Andreas

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von schnabelkanne » 27.02.2019, 11:31

Servus, der Hobel ist sicher gut um grob Material abzutragen, aber Vorsicht am Schluss reißt er oft zu große Späne, wenn’s ans Tillern geht am besten mit Holzraspel und Ziehklinge.
https://www.fletchers-corner.de/viewtop ... hweifhobel
Lg Thomas
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von joker047 » 07.03.2019, 22:09

Hallo Leute,
hier ein kleines Update:
Inzwischen habe ich die Form annähernd ausgearbeitet. Ein Wurfarm ist noch breiter, also nicht wundern.
Die Wurfarme sind derzeit noch etwa 2,5cm stark, was wohl deutlich zu viel sein dürfte. Es ergab sich durch
das Abtragen bis zum Markkanal.
Etwas Sorgen macht mir der quer verlaufende Ast, wobei ich hoffe, dass der noch von selbst verschwinden wird.
Wie sollte ich mit dem Ast am ersten Bild verfahren? Mark raus kratzen und mit Epoxy füllen? Auf der Außenseite
ist keine "offene" Stelle.
Gibt es ansonsten noch Anregungen eurerseits?

lg
Andreas

(Entschuldigt bitte die schlechten Bilder. Es war schon dunkel in der Werkstatt)
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Kemoauc » 07.03.2019, 23:55

Hi,Joker,
für nen Holunder sieht das alles ziemlich schmerzfrei aus. ;)
Den auf Bild 1 einfach ignorieren, der ist so klein, der verschwindet wahrscheinlich zum größten Teil beim tillern.
Der auf Bild 2 sowieso, da Du an dieser Stelle ohnehin noch ca 8-10mm wegnehmen wirst und er dort auch schmaler werden wird.
Sieht alles gut aus. ;)
Grüßle,
Kemoauc
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von schnabelkanne » 08.03.2019, 22:48

Servus, wenn der Ast nicht rausfällt dann lass den WA an der Stelle um die breite des Astes breiter.
lg Thomas
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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von joker047 » 20.03.2019, 13:03

Servus Leute,
inzwischen versuche ich mich gerade am Tiller. Es geht auch voran und ist vor allem eine schöne Arbeit.
Allerdings gibt es dabei einen Punkt, der mich irgendwie stutzig macht. Ich ziehe mich 45 Pfund und erreiche
dabei momentan eine Auszugslänge von 17 Zoll. Soweit so gut, aber die Wurfarme haben etwa in der Mitte nur
mehr eine Stärke von ca 1,7cm...
Das erscheint mir recht wenig, wenn ich dabei bedenke, dass ich gerade mal die halbe Auszugslänge erreicht habe.
Ist das normal?? ::)

lg
Andreas

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Becknbauer » 20.03.2019, 14:38

Hallo Andreas
So genau kann man zu der Dicke nichts sagen. Da kommt es immer auch auf die Länge und Breite und Design des Bogens an.
1,7cm kann durchaus passen. Sehr viel wird davon nicht mehr verschwinden bis du den vollen Auszug erreichst. 1 bis 2 mm wahrscheinlich.
Das ist normal. ;D
Gruß Wolfgang/Beck ' n ' Bauer

Nein, ich bin weder FC Bayern noch Fußball Fan.

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Ravenheart » 20.03.2019, 17:02

So ist es... Holzart, Holzqualität, Bogenbreite, Bogenlänge, geplanter Auszug... es gibt so viele Faktoren, dass man nur grobe Daumenmaße für den ANFANG des Tillerns angeben kann. Der Rest ist: Rantasten!

Bedenke außerdem, dass das Holz durch erstmaliges Ziehen noch weicher wird und Set bekommt - und später beim Einschießen noch mal. Lasse es beim Vollauszug ruhig erst mal 3 - 4# stärker als geplant!

Wie DICK es dabei ist entscheidet das Holz allein. Da drum musst Du Dir keinen Kopf machen.
Gleichmäßige Biegung über einen möglichst langen Bereich, ohne deutliche Übergänge ("Knicke") zu den steifen Bereichen an Griff und Ende, dann hast Du alles richtig gemacht. Den Messschieber lege ruhig in die Schublade. Ab Beginn des Tillerns wird der nicht mehr gebraucht - oder höchstens zur Fehlersuche, wenn es schief gegangen ist...
;D

Rabe

PS: Für die letzten Zoll Auszugweite genügt zum Tillern übrigens 100er Schleifpapier! Man staunt manchmal, wie viel schon ein paar Striche mit dem Schleifpapier (incl. anschließendem Glätten) ausmachen! Die größte "Gefahr" ist immer, über's Ziel hinaus wegzunehmen....

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Re: Für welchen Jahresring soll ich mich entscheiden?

Beitrag von Kemoauc » 20.03.2019, 18:16

Wie lang ist denn der Bogen?
Nur mal als Beispiel: ein halbwegs sauber getillerter Hasel von 192cm Länge und 14,5mm Dicke Mitte WA kann locker 56#+ erreichen, dasselbe mit einem anderen Hasel, 185cm lang und 15mm Dicke kommt auf 63#. Ich schreib das nur, weil ich beide gebaut habe.Das sind keine Festwerte,da Holz sehr variieren kann,nun aber ist Holunder ein dichteres Holz -- daraus resultiert bei Dir ein im Moment auch ein auf ca 90#@28" hochgerechnetes Zuggewicht, ungeachtet der wahrscheinlich noch vorhandenen steifen Stellen in den WAs. Mach Dir also erstmal keinen Kopf darüber, sondern bring Ihn zu einer gleichmäßigen Biegung -- dann wirst Du wahrscheinlich einen noch dünneren Bogen haben ;) , möglicherweise sogar mit weniger als 15mm Dicke Mitte WA bei 45#, hängt alles auch von der Breite und der Länge der WAs ab. Die Zusammenhänge wurden häufig und eingehend hier im Forum behandelt -- da hilft die Suchfunktion ;)
Grüßle,
Kemoauc
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