Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

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Uranus79
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Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 20.12.2018, 13:47

Hallo FC'ler,

Roteiche wird ja relativ selten hier erwähnt, aber es soll sich als Bogenholz eignen. Als ich ein Stämmchen davon bekam, wollte ich es ausprobieren. Hier soweit meine Erfahrungen. Eigentlich wollte ich ein Buildalong mal machen, aber soviele Bilder habe ich leider auch nicht gemacht. Die, die ich vom Bau noch habe, habe ich unten mal angehängt. Zum aktuellen Stand habe ich eine Tillerfrage, bis dahin hier der Bericht zu dem Holz, vielleicht hilft es ja jemandem.

Entrinden ging relativ problemlos, es gibt noch eine deutliche Schicht Bast unter der Rinde. Das Holz läßt sich noch feucht sehr einfach bearbeiten und es ist wirklich sehr grob faserig. Obwohl ich erstmal nur einseitig Material abgetragen habe, ohne die Breite zu schneiden, bog sich das Holz an einer Stelle deutlich seitwärts.
Roteiche_Knick.jpg
Drehwuchs war aber wohl nicht der Grund, der scheint nach Muster auf dem Bast eher gering zu sein. Die Trocknungszeit betrug ca. 4 Wochen im Herbst (war ja auch sehr trocken draußen). Das Holz ist richtig schwer, selbst nach Schneiden der groben Form noch über 800g. Ich habe dann so nach und nach das Design verschmälert, da ich mir dachte, bei dem Eigengewicht wird sonst nichts anderes draus. Am Griff jetzt 4cm breit und dann vollpyramidal auf 1cm an den Tips runter gehend.
Roteiche_Holz.jpg
Roteiche_Bau.jpg
Bearbeitung im Trockenen Zustand mit Werkzeugen ist kein Problem, aber die groben Fasern sorgen dafür, dass ständig irgendetwas einreißt. Ziehmesser geht noch relativ gut, fast besser als Schweifhobel. Das kleinste bißchen Abheben in leicht seitlicher Bewegung reißt gleich ein. Das Holz ist eher grau-braun und nicht besonders ansehlich. Es erscheint auch nicht wirklich hart, schleifen geht ganz gut. Am besten klappt es noch mit einer frisch zubereiteten Ziehklinge.
Roteiche_Ziehklinge.jpg
Immer wieder mußte ich die seitliche Verbiegung korrigieren, das Holz war da nicht wirklich kooperativ. Feuchte Hitze ging an den ersten Stellen ganz gut, trockene teilweise, zum Schluß habe ich es nochmal mit Dampfbiegen versucht und fest gedrückt, über die Sollform hinaus, dann blieb die seitliche Biegung wenigstens so, dass die Sehne nun mittig verläuft.
Roteiche_biegen.jpg
Tillern ging relativ gut, da das Holz relativ schnell zu reagieren scheint. Erst bog sich nicht viel, aber dann nach dem Angleichen waren es doch einiges an lbs weniger als gedacht.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Roteiche nochmal verarbeite. Schwierig ist es nicht, aber die groben Fasern sind etwas anspruchsvoller und es ist wirklich schweres, dichtes Holz. Und wie die Qualität beim Schießen ist, steht noch aus.

Um die unansehliche Farbe zu verbessern habe ich eine Beize aus Kaliumpermanganatlösung ausprobiert, was super funktioniert hat. Es wird ein goldgelber Honig-artiger Ton, der gut zu Eiche paßt. Die Beize deckt auch gnadenlos alle kleineren Unebenheiten und Macken auf. Da werde ich noch etwas schleifen müssen. Die Farbe kommt auf dem Bild leider nicht so gut rüber.
Roteiche_gebeizt.jpg

Aktuell hat der Bogen 630g und 44#, einmal Tillerbild direkt und einmal mit zwei Kreisen gleichen Radius' drüber, links zwischen A-B könnte noch ein Hauch weg laut diesen, wahrscheinlich könnte man das Ding aber auch schon mal Probeschießen, was denkt Ihr?
Roteiche_abgespannt1.jpg
Roteiche_Tiller1a.jpg
Roteiche_Tiller1.jpg
Viele Grüße,
Uranus

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von schnabelkanne » 21.12.2018, 12:42

Servus, ich würde zuerst mal probschiessen.
Lg Thomas
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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Neumi » 21.12.2018, 15:14

Tach, Du hast den Bogen sowieso schon auf 27" gezogen, dann kannst den auch schießen.
Im markierten Bereich rechts sehe ich eine Schwachstelle.
Roteiche_Tiller1a.jpg
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 25.12.2018, 09:00

@Neumi: scharfes Auge. Ich bin mal mit der Hand den Bogen entlang gefahren und an der Stelle ist er tatsächlich etwas dünner. Also bestätige Schwachstelle. Habe den Bogen mal Probegeschossen. Die Schwachstelle ist bislang unauffällig immerhin. Roteiche ist weniger träge als gedacht, bei dem Gewicht hätte ich so ähnlich wie Hickory-Bögen gedacht, ist aber schneller als mein vollpyramidaler Hickory-Bogen mit dem gleichen Zuggewicht. Allerdings ist das seitlich grade gebogene Holz wieder in die alte Form zurückgekrochen. Ich stelle fest, zumindest bei einer Stichprobenmenge von 1, dass sich Roteiche wie Ulme zwar biegen läßt, aber umsonst. Die Sehne ist nicht ganz mittig aber für Rechtshänder passend versetzt, man kann gut schießen damit. Sieht halt schief aus, aber Spaß macht's.
Achja, fehlende Daten: NtN 173cm, Sehne 12 Strang BC55. Präsi schiebe ich noch nach.

Danke für die Antworten und frohe Weihnachten!

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Heimwerker » 25.12.2018, 21:58

Hallo Uranus79,
ich habe was das zurüçkkriechen nach dem Dämpfen betrifft ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du. Leichte Biegung im Griff war bei dem einen Bogen nach dem Einschießen wieder drin, Recurves waren nach kurser Zeit wieder gerade. Damit beträgt die Stichprobenmenge schon 3. ;)
Wieso Du einen trägen Bogen erwartet hast kann ich aber nicht nachvollziehen.

Mach Späne
Kai
Roteiche Selfbow 178cm 55# @ 28''

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 26.12.2018, 20:23

Hallo Heimwerker,
das ist ja eine interessante und hilfreiche Information. Ich hatte meine Roteiche mehrfach gebogen und dachte immer, es wäre einfach nicht genug gewesen, dabei ist sie wohl immer zurück gekrochen. Ich hatte überlegt, sie nochmal zu biegen, aber nach den Informationen und meinen eigenen Erfahrungen wird das wohl nichts mehr bringen, dann lasse ich den Bogen so.

Wieso träge? da Roteiche als gut für den Bogenbau geeignet beschrieben wurde (TBB), hatte ich ein etwas anderes Holz erwartet. Es war aber sehr dicht und schwer - typisch Eiche. Schwere Wurfarme - Träge Masse - langsam - war meine Überlegung. Es erinnerte mich ziemlich an Hickory, was zumindest bei den Bögen, die ich erlebt habe, robuste aber nicht gerade flotte Bögen gab (schließt nicht nur selbstgebaute ein, sondern auch Kaufbögen anderer Leute). Das war aber nur eine Vermutung/Einschätzung, da ich mit Roteiche keinerlei Erfahrung hatte.
Fazit: Holz ist gut geeignet für Bögen, vorzugsweise schmäler bauen, läßt sich zwar biegen, aber kriecht zurück. Ggf. kann man das Wiki mal aktualisieren. Biegen ging bei mir sowohl mit trockener wie auch mit feuchter Hitze, letztere bei mir besser.

Viele Grüße, Uranus

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von fatz » 26.12.2018, 23:07

Es gibt genug Hoelzer, die ein "Gedaechtnis" haben. Hartriegel macht das auch. Warum nicht auch Roteiche....

Ob schwer = traege gilt haengt zuerst mal davon ab, wieviel Widerstand das Holz dem gebogen werden entgegesetzt. Da sind dichte Hoelzer oft (nicht immer) eine ganz andere Nummer als leichte. Insofern ist das selten so allgemein gueltig, auch wenn man natuerlich eine angepasste Bauweise verwenden muss (Wenn das Holz dicht ist steckt's Druck oft besser weg und kann schmal gebaut werden). Ergo: so allgemeine Aussagen sind meist Kaese......
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 28.12.2018, 10:04

Zumindest können wir nun mit starken Indizien festhalten, dass Roteiche ein "Gedächtnis" hat.

Wie das Holz reagiert wußte ich nicht, deswegen habe ich es ja ausprobiert. Die Dichte überraschte mich. Daher die Vermutung, es wäre schwer und träge. Ich bin dann vom Design eher schmäler und dicker geworden, das ist bei Roteiche offenbar passend. Also besser ausprobieren, dann weiß man's ;-) "Verallgemeinerungen sind immer falsch"

Zum Bogenbau geeignet kann ich bestätigen. Vielleicht mag ja der/die ein oder andere noch eine Roteiche bauen und die Erfahrungen ergänzen.

Viele Grüße,
Uranus

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 30.12.2018, 13:56

Hallo Heimwerker,

wie waren denn Deine Erfahrungen mit Roteiche? Ich habe ihn heute zum zweiten Mal geschossen und stufe Roteiche seit dem deutlich besser ein. Das Ding hat ordentlich Wumms, die Pfeile stecken mindestens so tief in der Scheibe wie der Ulme mit aktuell 48#, fast so gut wie die Garteneibe. Roteiche ist nach dieser Erfahrung deutlich interessanter als Bogenholz als ich zuerst dachte...

Viele Grüße,
Uranus

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Heimwerker » 31.12.2018, 17:20

Uranus79 hat geschrieben:
30.12.2018, 13:56
Hallo Heimwerker,

wie waren denn Deine Erfahrungen mit Roteiche?
Moin,
ich habe bisher nur gute Erfahrungen mit Roteiche gemacht, mal abgeesehen davon, das dämpfen nichts bringt.
Aktuell ist einer meiner Lieblingsbögen ein Roteichenlangbogen mit D-Profil, von mir "Stock" genannt.
Der Bogen hat 55#@28" und wirft meine relativ schweren Pfeile mit flacher Flugbahn flott raus. Ich habe kein Chroni und kann das flott nicht mit Zahlen unterlegen aber im Vergleich mit meinen anderen 55# Bögen, aus Osage und Plastik (Bear Montana) steht der fast gleichwertig da.
Der Bogen ist übrigens mal bei einem Saplingtunier entstanden. hier der Link zur Präsi: Sapling-Stock
Deshalb hatte ich ja auch gefragt, wie Du auf träge kommst. Ich jedenfalls habe nicht den Eindruck das Roteiche besonders träge ist. Anscheinend geht es Dir mitlerweile aber genauso.

Mach Späne!
Kai
Roteiche Selfbow 178cm 55# @ 28''

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Mallefix » 04.01.2019, 14:11

Moin,

ich habe ähnliche Erfahrung wie Uranus gemacht.
Mein Roteichenbogen ist auch nicht der schnellste.
Eichen üblich war die Bearbeitung nicht ganz einfach, da das Holz sehr hart ist.
Ich habe aber bei dem Bogen gelernt, wie mach sich durch die einzelnen Jahresringe mit der Ziehklinge kämpft.
Der Bogen macht seinen Job, liegt aber auch schwer in der Hand.
Ich würde nicht noch einmal einen Bogen aus Roteiche bauen.

Gruß
Mallefix
das schönste aller Geheimnisse ist, ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen :)

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Heimwerker » 04.01.2019, 18:57

Mallefix hat geschrieben:
04.01.2019, 14:11
Ich würde nicht noch einmal einen Bogen aus Roteiche bauen.
:o Echt nicht? Bist Du sicher, das es Roteiche war?

Ja, das Holz ist irre schwer zu spalten, weil sehr langfaserig mit starkem Zusammenhalt. Aber bisher konnte ich das Holz immer gut mit Ziehmesser, -hobel und -klinge bearbeiten. Allerdings habe ich bisher auch nur aus max. 150mm dicken Stämmchen gebaut und immer den Jahrring unter der Rinde als Rücken verwendet.
Mag sein, das sich die Holzeigenschaften bei dickeren Stämmen ändern und das Holz härter wird.
Vielleicht kann dazu ja ein Fachmann was schreiben?
Ich fand es vom Arbeitaufwand ähnlich wie Hickory, wobei meine Roteichenbögen besser waren als meine Hickorybögen.
Vielleicht hatte ich aber auch zufällig sehr gute Roteiche und schlechtes Hickory.

Ich würde immer wieder einen Bogen aus Roteiche bauen. ;) Aber die Geschmäcker sind verschieden.

Macht Späne
Kai
Roteiche Selfbow 178cm 55# @ 28''

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Uranus79 » 05.01.2019, 13:20

Mir geht es da ganz ähnlich wie Heimwerker. Ich hatte so ein ca. 8cm Durchmesser Stämmchen und habe es einfach ausprobiert. Das einzige Bild von einem Bogen aus Roteiche, das ich im Internet fand, war ein breiter Flachbogen. Beim Bauen habe ich dann gemerkt, dass Roteiche sehr schwer ist, weswegen ich von breit auf schmal (und dafür dicker) gegangen bin, genau wie bei Hickory. Es ist Hickory sehr ähnlich, wobei es sich feucht deutlich besser bearbeiten läßt als die getrockneten Hickory-Bohlen. Beim Messern muss man immer nur aufpassen, dass man nicht entlang der Fasern einreißt.
Der Bogen, der dann aber rauskam, war/ist deutlich besser als ich vermutet habe. Ich würde Roteiche wieder bauen und kann es empfehlen.
@Mallefix, wie breit und welche Bauform war Dein Bogen aus Roteiche? Vielleicht zu breit und daher zu schwer? Meiner hat am Anfang der Wurfarme (nach Fadeouts) 3,5cm Breite, an den Tips 1,2cm, dazwischen linear weniger werdend.

Viele Grüße,
Uranus

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Re: Roteiche - kurzer Baubericht und bitte um Tillermeinung

Beitrag von Mallefix » 16.01.2019, 11:46

@Heimwerker und Uranus

Ja, ich bin mir sicher das es Roteiche war.
Der Bogen ist auch nicht besonders Breit gewesen.
Wenn ich mich recht erinnere, dann war zwischen 35 und 38mm.
Leider sind die Fotos über Flecomedia nicht mehr im Präsentations-Treat zu sehen.
Hier ist der "alte" Link
viewtopic.php?f=16&t=27827&p=498790&hil ... f0#p498790

Wie auch immer. Ich habe viel beim Bau des Bogens gelernt, würde aber nicht nochmal einen aus Roteiche bauen.
Aber vielleicht sehen wir uns mal auf einem Bogenbauer Treff, dann könnt Ihr mir ja mal Eure SStücke zeigen.
Kann ja sein, dass ich mich umstimmen lasse :)

Gruß
Mallefix
das schönste aller Geheimnisse ist, ein Genie zu sein und es als einziger zu wissen :)

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