Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

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SchmidBogen
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Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von SchmidBogen » 30.10.2017, 00:09

Dieses Thema beschäftigt mich schon sehr lange und nun sehe ich immer mehr "Hybridbogen" im Internet die für mich bereits eher als Recurvebogen gelten...


Zbsp dieser Takedownbogen wird offiziell als Hybridbogen angepriesen. Für mich ist das nicht mehr als ein Recurvebogen.

Bild

Wie seht Ihr das bezüglich Grenze zwischen einem Hybridbogen und einem Recurvebogen?
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Squid
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von Squid » 30.10.2017, 02:24

Ein Hybridbogen is eigentlich nix anderes, als ein kurzer Langbogen mit starkem reflex-deflex Design.
Das Kriterium, das einen Bogen zum Recuve macht ist, dass die Sehne im aufgespannten Zustand den Wurfarm an anderen Stellen als NUR an den Nocken berührt.

Den Bogen auf dem Bild halte ich - auch wenns nicht ganz genau erkennbar ist - für einen Recurve. Die Sehne scheint doch vor den Sehnenkerben am Wurfarm anzuliegen.
Es ist mir egal ob schon mal jemand sowas gebaut hat.
Ich will ja nicht unken, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle geht das schief.

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Grombard
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von Grombard » 30.10.2017, 06:29

Ich sehe das so:
Wenn du ein Stück Papier zwischen Sehne und Wurfarm klemmen kannst ohne dass es runterfällt ist es ein Recurve.
irgendwas is ja immer

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killerkarpfen
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von killerkarpfen » 30.10.2017, 07:07

Gemäss IFAA gilt der Hybridbogen bereits als Recurve.
Ausschlaggebend ist die Definition vom Langbogen:
Wenn eine Schnur über den aufgespannten Bogen über den Rücken, vom FO zu den Nocken gespannt wird, muss diese den Rücken auf der ganzen Strecke berühren. Der Winkel zur Sehne muss fortlaufend zunehmen. Entsteht ein Zwischenraum gilt der Bogen als Recurve.
Ein noch vorhandener Deflex ist nicht erlaubt.

Die oben genannte Regel gilt nach World-Archery Reglement. Da ist beim Langbogen ein vorhandener Deflex erlaubt. Die Sehne darf hier den WA ab Nocke nicht mehr berühren.
Das ist zugegeben verwirrlich da beide Verbände eben ein eigenes Regelwerk anwenden.
Bei der IFAA sind für den LB auch Holzpfeile vorgeschrieben, sowie ein mditerraner Ablass.
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von Sateless » 30.10.2017, 07:52

Ein Hybridbogen ist immer ein Recurvebogen, aber nie ein richtiger. Es gibt keine Eingrenzung der Form für einen Hybridbogen. Wie auch. Er soll ja ein Hybrid aus mehreren Bogenformen sein. Aber eigentlich ist es bloß Marketingsprech für einen kurzen Flachbogen mit viel R/D. Wieviel ist dabei völlig wurscht. Daher weiß ich nicht, was ich überhaupt von dieser Frage halten soll. Es hat eh jeder seine Vorstellung von einem Hybridbogen, und die darf dann auch jeder bitte selber von einem Recurvebogen unterscheiden.
Ich schreibe ohne Autokorrektur lesenswerter. Du etwa auch?
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AndiE
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von AndiE » 30.10.2017, 08:23

Hallo

Ich sehe den Unterschied zwischen LB und RC wie Squid und für mich ist der Bogen oben ein Recurve. Egal was die ganzen Verbände noch an Definitionen entwickeln. Wenn man sich z.B. an die IFAA Klassifizierung hält sind >90% der LBs auf dem Markt RCs.
Der Bogen oben hat aber mal garnichts von einem LB!
Welcher Bogen ist das denn genau Rainer? Ist das der 3pc "Hybrid" eines Bogenbauers nicht weit weg von Dir?

Ein Bekannter von mir (Gregg Coffee von Javaman Bows, ehemaliger Bauer der Shrew Bows) gilt als einer der Bogenbauer die diesen aktuell so beliebten Hybriden (eigentlich ein kurzer LB mit selbem Reflex wie ein RC nur auf den ganzen WA verteilt. Man sollte dafür endlich mal einen anderen Namen finden!) entwickelt und im großen Stil gebaut haben.
Die Absicht war einen LB zu bauen den man auch bei der Jagd vom Hochsitz oder aus dem Blind einsetzen kann.

Wie gesagt finde ich den Begriff Hybridbogen ungeeignet da z.B. diese modernen Recurve-Horsebow-Mix Bögen von Saluki oder die in den USA momentan sehr beliebten Warf-Bows auch Hybriden sind aber mit den kurzen LB die wir damit meinen nichts zu tun haben.

MfG
Andi
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von fatz » 30.10.2017, 08:51

AndiE hat geschrieben:Wie gesagt finde ich den Begriff Hybridbogen ungeeignet

Wenn du schon dabei bist kannst du dann auch gleich mit dem Begriff Langbogen aufraeumen :-\
Der ist naemlich auch mehr als ungluecklich
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von SchmidBogen » 30.10.2017, 09:23

Ja denn eigentlich sind die meisten ja nur kurze Flachbögen und keine flache Langbögen. :D
Da könnte man ruhig mal aufräumen.

Aber klingt halt Eleganter und Marktschreierischer wenn man mit den althergebackten Begriffen um sich wirft.


@AndiE:
Dies ist in der Tat ein Ami-Bogen von dem du oben ausführlich geschrieben hast.


@Sateless:
Was du von meiner Frage halten sollst, kann ausser dir selber sonst niemand beantworten.
Ich für meinen Teil finde die Frage äusserst spannend und legitim, da ich seit geraumer Zeit mit vielen Menschen
darüber rede und ich die Meinungen sehr spannend finde und ich eben nicht der einzige bin, der sich genau diese
Frage auch immer wieder stellt. Es vergeht zurzeit keine Woche, wo nicht mindestens ein Kunde zu mir kommt und
mich genau dies fragt.
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von fatz » 30.10.2017, 09:35

SchmidBogen hat geschrieben:Ja denn eigentlich sind die meisten ja nur kurze Flachbögen und keine flache Langbögen. :D

.... und egal wie lang sie dann sind, alle haben nix damit zu tun, was seit dem Mittelalter Langbogen heisst.
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von AndiE » 30.10.2017, 11:48

Hallo

Kommt hier jetzt die Definition des Langbogen über die Länge?

MfG
Andi
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von fatz » 30.10.2017, 13:19

na die urspruengliche Definition war mal so: Laenger als der Schuetze ;)

Und wenn du's schon hoeren willst, ist etwas, was kurz ist und Langbogen genannt wird schon leicht wiederspruechlich.... ???
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killerkarpfen
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von killerkarpfen » 30.10.2017, 13:23

AndiE hat geschrieben:Ich sehe den Unterschied zwischen LB und RC wie Squid und für mich ist der Bogen oben ein Recurve. Egal was die ganzen Verbände noch an Definitionen entwickeln. Wenn man sich z.B. an die IFAA Klassifizierung hält sind >90% der LBs auf dem Markt RCs.
Der Bogen oben hat aber mal garnichts von einem LB!


Andi, Deine Aussage ist für mich als Turnierschütze nicht einfach. Die Bogenklassen wurden extra entsprechend ihrer Leistung definiert. Von daher ist es eben schwierig eine entsprechende Leistungsklasse einzuführen wenn die Bögen sich nicht mehr eindeutig zuordnen lassen.
Im Grunde optimiert sich jeder Schütze sein Material um die beste Treffsicherheit zu erlangen. Nur in Extremis kann eben die Leistung eines Compounds sich nicht mit der eines Selfbows vergleichen lassen. Da wäre ja jeder nicht damit einverstanden wenn alle in der gleichen Kategorie antreten müssten. Um eben dieser Vielfalt eine Chance zu geben wurden die Leistungsklassen auch geschaffen.
Mit den heutigen Mitteln wie den Verbundwerkstoffen kann man auch aus einfacheren Bogenformen mehr Leistung erzielen. Ich habe lange Zeit und heute noch an Fitaturnieren (3-D) mit meinem Holzbogen gegen die glasbelegten LBs geschossen. Leider eben Chancenlos ;D habe aber auch keinen richtigen Vergleich meiner Leistung gefunden. Heute bin ich froh, dass wenigstens die IFAA den Historicalbow eingeführt hat. Seit neuestem kamen auch die Reiterbogenschützen mit der TRB-Klasse zum Zug, die bekanntlich bis anhin bei den BHR eingeteilt wurden. Dass die damit nicht glücklich wurden ist hinlänglich bekannt.
Das Problem wird neu eben durch die Hybriden wieder gestellt. Ein Hybride ist in seiner Leistung, wie auch ein guter RD-Langbogen durchaus in seiner Leistung mit einem BHR vergleichbar. Werden solche Schützen aber in der BHR-Klasse eingeteilt kannst du dir ja vorstellen wie die dazu stehen würden.
Hier scheiden sich eben die Geister, und ich habe mein Problem genau mit dieser Einstellung, wenn sich jeder versteckt einen Vorteil im Material ergattern will, um sich damit dann in einer untergeordneten Klasse zu bevorteilen, um mehr Punkte zu erzielen.
Auch die leidige Diskussion ob mit Langbögen mit Carbonpfeilen geschossen werden darf und warum nicht. Eben darum weil es wieder ein Materialvorteil ist, bei dem der traditionelle Schütze das Nachsehen hat.
So lange Rede kurzer Sinn, wie und wo sollen nun die Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien gezogen werden. Und das noch gerecht?
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Mike W.
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von Mike W. » 30.10.2017, 18:00

ich bin schon immer mit meinen hybriden bei den jagdbogen gestartet.
auch wenn die sehne ab der sehnenkerbe nichts mehr berührt.
da war ich von der ausrüstung her nie im nachteil

ein gut( konsequent) gebauter hybrid ist den meisten recurves mindestens ebenbürtig!

ein hybrid ist für mich:
- kurz, weil masse um so schwerer zu beschleunigen ist je weiter außen sie liegt
- im querschnitt sehr schmal um masse zu reduzieren
- mit deutlichem rerflex auf standhöhe, weil sich das günstig auf den sehnenwinkel auswirkt und damit auf die bogenlänge
und einem tiefen, bequemen pistolengriff

gruß mike
55" Hybrid 54#@29"
56" Hybrid 52#@29"

Nichts was ich schreibe ist persönlich zu nehmen, außer ich weise extra darauf hin!
Das Heute ist das Morgen von Gestern, nur ohne Illusionen!
Rettet den Wald!! Esst mehr Spechte!!

AndiE
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Re: Ab wann ist ein Hybridbogen ein Recurvebogen....

Beitrag von AndiE » 30.10.2017, 20:07

@killerkarpfen
Ich kenne diese Problematik aber solange sich die ganzen Verbände um die Einteilung der Unordnung kümmern anstatt erst mal Ordnung zu schaffen wird sich daran nichts ändern.

Feste Definitionen was nun ein Recurve ist und was ein Langbogen findet man nirgends. Für mich persönlich ist es eben so wie Squid geschrieben hat und das mit der Länge ist so eine Sache da es da auch schon zuviel Reglementierungen gibt. Ist der Langbogen nun min. 74", oder waren es 64" oder...
Hier sollte man z.B. einen Elb nicht mit einem modernen LB gleichstellen usw.

MfG
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