Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

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Granjow
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Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Granjow » 02.12.2015, 18:45

Hoi zäme,

vor ein paar Wochen hatte ich etwas Zeit, an einem Bogen aus amerikanischem Nussbaum zu arbeiten. Vorgängig hatte ich einen Bruchtest gemacht mit einem Stück davon, Kantenlänge etwa 1 cm. Das Bruchbild sieht so aus (Kraft nicht gemessen):

nuss1.jpg
Seitenansicht; Rücken ist oben (dunkle Schicht)


nuss2.jpg
Bruchansicht, Rücken ist rechts


Das Holz ist ein (Rift-)Brett aus dem Holzhandel. Die Rinde ist abgefallen, der Rücken aber noch unverletzt, weshalb ich mich entschieden habe, diesen gleich als Bogenrücken zu verwenden. Der Bogen hat eine Länge von 160 cm, angestrebt waren 45# bei 28".

Meine Bitte an euch ist, das Holz bzw. den Bogen anhand des Bruchtests einzuschätzen. Ich habe das ebenfalls gemacht vor dem Bau und möchte gerne wissen, ob ihr zum selben Ergebnis kommt wie ich; ich habe mit Bruchtests bislang keine Erfahrung.

Der Bogen wird dann im Anschluss hier kurz präsentiert.

Simon

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acker
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von acker » 02.12.2015, 18:53

Nun , rein von dem Bruchbild zu urteilen ist es ein Keks, ein Keks auf einem Apfel.
Die wichtig zu wissende Antwort auf die Frage ist, wie lang war das Probestück , bei welcher Auslenkung und wie ist ist der Bruch erfolgt.
Ohne diese Info ist es Kaffeesatz lesen.
Das Du die auftredende Kraft nicht gemessen hast sei Dir ja noch verziehen , sofern du sie gefühlt für dich beziffern kannst.
Der junge Mensch lernt, was die Erwachsenen wissen und verlernt was er als Kind gewusst hat.

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Coal
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Coal » 02.12.2015, 19:09

Acker hat recht. Das Holz sieht nicht Vertrauen erweckend aus. Grobporig im Körper und die Bruchstelle kaum ausgefasert. Wenns doch ein Bogen werden soll, wäre ein Design mit breiten Wurfarmen ratsam.
Coal
Wer nur einen Hammer hat, für den schaut jedes Problem aus wie ein Nagel.

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zwirn
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von zwirn » 02.12.2015, 19:35

:D :D :D
Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!

Wenn einer, der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum,
schon meint, daß er ein Vogel wär, so irrt sich der.

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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von shokunin » 02.12.2015, 20:18

Was mich weit mehr interessiert... wessen Blut klebt denn da am Teststück? :o

Gruss,
Mark
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Neumi » 02.12.2015, 23:09

Shokunin Du weisst aber schon, dass Blut an der Luft ziemlich schnell verrostet ;D
Grüsse - Neumi
...Versuch und Fehler bevor die Sarg-Nägel eingeschlagen werden...

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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Heidjer » 02.12.2015, 23:15

So sagt das nicht viel aus, wäre das Stück wenigstens 15cm lang und damit die Testleiste wenigstens 30cm lang gewesen, dann würde ich schreiben vergiss es, das Holz ist zu spröde.
Aber hier ist das Stück mal gerade 4cm lang, die Kraft wirkte also auf nur eine sehr kleine Strecke, da hatte das Holz ja kaum eine Chance Langfaserig zu brechen. So ein Bruchbild könnte man auch mit top Osage oder Eibe erzeugen, wenn man denn wollte.


Gruß Dirk
Ein Pfeil, den Schaft gemacht aus der Pflanzen hölzern Teil, versehen mit eines Vogels Federn und einer Spitze, aus der Erde Mineral, wird von der Natur gern zurückgenommen.

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Granjow
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Granjow » 04.12.2015, 18:19

Danke für eure Antworten. Ja, ihr hab wohl recht, der Bruch ist nicht allzu aussagekräftig.

@acker Es war etwa 15 cm lang. Auslenkung nicht gemessen, benötigte Kraft etwa so wie bei mittlerer Esche, gebrochen ist es dann (wie am Bruchbild ersichtlich) abrupt.

@Shokunin Da ist kein Blut dran. Der Rücken ist von der Lagerung oder aus anderen Gründen dunkler verfärbt.

@Dirk Ich schau bei der nächsten Gelegenheit nach, ob da noch ein längeres Stück vorhanden ist!

Simon

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Granjow
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Granjow » 20.12.2015, 13:24

Nun denn.

Ungefähr dem von Snake-Jo hier vorgestellten Bruchtest entsprechend nun die Resultate. Hier die Einspannvorrichtung (Nachher dann auf normaler Holzplatte, da die Tischplatte zu rutschig war):

einspannen.jpg
Eingespannt


Der Hebel ist 20 cm lang. Hier die Messdaten:

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      Stück 1          Stück 2           Stück 3
      3 cm unterhalb   Direkt            3 cm unterhalb
      Rinde            unterhalb Rinde   Rinde
      10.8×10.5 mm     10.3×10.8 mm      10.7×10.7 mm      ← Querschnitt h×w Bruch

 1     4.2 kg           3.2 kg            3.2 kg
 2     8.4 kg           6.3 kg            7.0 kg
 3    11.6 kg           8.3 kg           10.7 kg
 4    Bruch Rücken      Bruch            12.4 kg
 5                                       13.2 kg
 6    12   kg                            Bruch
 7
 8
 9    Bruch
 ↑
[cm] Auslenkung


Stücke 1 und 3 sind 3 cm tief im Holz, Stück 2 ist direkt von der Stammaussenseite, also nur entrindet (was das Brett eh schon war). Stück 1 ist etwas komisch gebrochen, da ich nicht den gesamten Rücken auf einen Jahrring heruntergearbeitet hatte und deshalb ein Stück wegsplitterte.

Der Bogen, den ich gebaut habe, ist aus Stück 2.

bruch.jpg
Brüche. Von rechts: Stücke 2, 3, 1

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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Zoffti » 20.12.2015, 13:37

Uuu, aus dem Ding hätt ich mir höchstens nen Stuhlbein geschnitzt…. Mein ja nur - finds so schon schwer genug einen tauglichen UND langlebigen Bogen zu schnitzen….

Viel Glück!
Z.
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Granjow » 23.12.2015, 15:33

Aus welchem Stück? Aus beiden? Und aus welchem Grund?

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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Zoffti » 23.12.2015, 17:41

Weil mir das Holz zwar hart aber eher kurzfasrig scheint im Bruch.
LG.
Z.
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Snake-Jo » 23.12.2015, 18:23

@granjow: Vielen Dank für die neuen Messdaten. Ich kann zu den Auslenk- und Zuggewichten nichts sagen, da die Probe nicht dem Standard entspricht. Oft hat man ja nicht genügend Holz für den Standardtest, daher muss man nehmen, was da ist. Somit ist dein Test mit dem gezeigten Aufbau und dem dann erfolgten Bruch ausreichend aussagekräftig.
Ich teile die Meinung von Zoffti: Das Holz ist kurzfaserig, der Bruch erfolgt dann meist ziemlich plötzlich. Für den Bogenbau sicherlich schlecht einzusetzen.

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Granjow
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von Granjow » 28.12.2015, 13:44

Und so war es dann auch :)
Der Bogen ist bei unbekannter Zugkraft an beiden Armen gebrochen, mit einem bilderbuchmässigen Sprödbruch.

arm2.jpg
arm1.jpg
side.jpg


Bei Gelegenheit baue ich vom tiefer liegenden Stück einen zweiten Bogen, ein Bisschen länger, aber sonst selbe Dimensionen und wieder auf 45# bei 28". Das sollte dann hoffentlich klappen.

Falls noch ein Stück übrig ist, gibts noch einen weiteren Bruchtest mit einem halben Zoll Dicke.

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killerkarpfen
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Re: Nach dem Bruchtest – eure Einschätzung vom Holz?

Beitrag von killerkarpfen » 28.12.2015, 13:53

phuuhh!!! Irgend wie sieht der Bogenrücken nicht sehr vertrauenswürdig aus. Nach den Bildern vom Bruchtest zu urteilen...

Meinst Du nicht es wäre besser daraus vielleicht einen schönen Wanderstab zu schnitzen oder einen Speer? :-X

Warum tust Du Dir das an? Hast Du kein Holz mehr oder bist Du am experimentieren?
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