Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

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Nordicus
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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 01.09.2021, 16:36

So, das hat alles geklappt. Habe bei den Griffen mit "Serving-Thread" von Brownell gearbeitet weil mir die ungewachste Schusterleinen ausgegangen ist, nachdem ich die Siyahs gewickelt habe. Aber nun ist doppelt gehalten (Sehne und Zwirn). Von einer Kollegin habe ich noch zwei Stück Lachsleder erhalten.
Den Bogen habe ich gemäss der Anleitung behutsam auf dem Boden "vorgetillert", d.h. die Siyahs auf den Boden gelegt und den Griff sanft nach unten gerückt, bis der Bogenrücken auf den Boden gekommen ist. Ging tip-top. Kein knacken. Beim über's Knie ziehen stelle ich schon fest, dass das Teil ziemlich steif ist. Also geht's mit dem Schaben vom Hornbauch los.

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Nordicus
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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 02.09.2021, 19:35

Nach sanfter Arbeit mit der Ziehklinge an der Hornseite lässt er sich nun so weit über's Knie biegen, dass ich ihn aufspannen könnte. Muss also eine Endlossehne basteln. Die hässlichen Kratzer auf der Hornoberfläche verschwinden langsam, und er sieht so langsam nach einem Bogen aus.

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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Snake-Jo » 03.09.2021, 07:56

Nordicus hat geschrieben:
28.08.2021, 13:08
Lieber Snake-Jo
Also, das ist ein Phänomen, dass ich selber nicht beobachtete. Beim Sehnenbelegen hat sich nichts zusammengezogen. Die Spannschnur war genau so stramm nach dem Trocknen wie vorher. Ich habe mit Straussensehnen gearbeitet, die ich von "Die Bogenbauertradition Horst Perk" gekauft habe. Alles ging tip-top. Nur zusammengezogen hat sich nichts. Bin auch nicht traurig darüber.
Lieber Nordicus,
das ist ein Phänomen, welches obligat auftritt. Sollte es bei dir nicht auftreten, dann ist entweder der Rahmen zu dick oder irgendwas stimmt nicht (??????). Selbst bei kurzen Wurfarmbereichen wird heftig verzogen, s. Beispiel.
Leinenzwirn aus dem Sattlereibedarf im Internet bestellen, ungewachst. Auch im Webereibedarf wird man fündig.
Nordicus hat geschrieben:
01.09.2021, 16:36

Den Bogen habe ich gemäss der Anleitung behutsam auf dem Boden "vorgetillert", d.h. die Siyahs auf den Boden gelegt und den Griff sanft nach unten gerückt, bis der Bogenrücken auf den Boden gekommen ist. Ging tip-top. Kein knacken. Beim über's Knie ziehen stelle ich schon fest, dass das Teil ziemlich steif ist. Also geht's mit dem Schaben vom Hornbauch los.
Das "Bodendrücken" und anschließendes Aufspannen ist nur für leichte Bögen (35-40 lb) zu empfehlen. Bei höherer Pfundzahl geht man sicher mit einem Aufspannrahmen.
2010_10290007.JPG

Aufspannhilfe5cm.jpg
Dateianhänge
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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 26.09.2021, 12:20

Liebe Kolleginnem um Kollegen
So, heute war es so weit. Ich habe meinen neuen Bogen aufgespannt und zum ersten mal geschossen. Ging tip-top: schön elastischer Auszug, sanfter aber starker Abschuss, wenig Handschlag. Nun geht es an den finish.
Ich hatte ein paar Pannen unterwegs. Während dem Tillern begannen die Laminate (eibenholzplättchen) im Griffbereich zu reissen. Und nicht an den Leimstellen, sondern das Holz selber. Haber den ganzen Griff mit einer Lage sehne umwickelt und eine Woche trocknen lassen. Dann eine provisorische Griffwicklung aus Rohhautband im feuchten Zustand darüber gewickelt und diese ebenfalls eine Woche trocknen lassen. Dann weiter getillert.
Nun wo er zwei dutzend Pfeile einwandfrei geschossen hat, beginne ich mit dem Finish. Die provisorische Wicklung habe ich entfernt. Nun kommt ein definitiver Griff aus dünner Rohhaut vollflächig mit Hautleim geleimt über die Sehnenwicklung. Die Wurfarme erhalten Lachsleder. Beide werden mit Hautleim aufgeklebt.
Hat jemand Erfahrungen mit einer Schutzschicht aus Leinölfirnis anstatt Bootslack? Sollte m.E. auch gehen.

Grüsse
Nordicus

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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 03.10.2021, 13:41

Also, das mit der Rohhaut als Schutzschicht über den reparierten Sehenspleiss hat sich nicht bewährt. Die Rohhaut ist zu elastisch. Der Bruch war durch den Handschutz spürbar. Also habe ich die Rohhaut und die sehnenwicklung um die Bruchstelle demonitert. Hautleim ist so was von praksitsch: etwas wasser drauf und zupfen, schon löst sich alles.
Die Analyse der Bruchstelle zeigt: die Sehnenwicklung hat gehalten. Und zwar so gut, dass die Schubkräfte das Holz fast zum zerbrösen brachte. Also: Alles schön mit dem Haarföhn aufgewärmt, Epoxy mit dem Pinsel in die Ritzen, das ganze nochmals aufgewärmt damit der Leim tief in die Risse geht, dann gepresst. Und am nächsten Tag ein zusätzliches Holzplättchen als Brücke über den Bruch gelebt und wieder gepresst. Heute das ganze mit der Feile ausgeglichen und mit Hautleim eine enge Wicklung aus Hanfschnur um das Ganze.
Bin gespannt. Wenn es hält: super. Wenn nicht: ab in den Sperrmüll damit und nochmals von Vorne.

Aber gelernt habe ich dabei sehr viel. Der nächste klappt sicher bestimmt.

Was sicher ist: die Anleitung im Buch "Reflexbögen" ist voll tauglich und ermutigend für einen Anfänger wie ich, auch wenn nicht ganz vollständig.

Grüsse Nordicus

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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 03.10.2021, 18:05

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Eine offene Frage habe ich, die mich keine ruhe lässt: Warum hat sich der Boden beim Aufbringen des Sehnenbelags nicht zusammen gezogen?

Ich habe die Sehnen in warmem Wasser getränkt, auf's Brettchen gelegt und ausgekämmt, dann in Bündel auf ein feuchtes Tuch gelegt. Den Bogenrücken leicht aufgeraut, mit Wasser angefeuchtet, mit verdünntem Hautleim gestrichen. Dann die Sehnenbündel im Hautleim gewedelt, diese zwischen den Fingern durchgezogen um den Leimüberschuss zu meiden und die Bündel auf den Bogen gelegt.
Der Leim hatte immer zwischen 30 und 40 grad, und klebte ordentlich. Nach dem Belegen habe ich den Bogen in eine Lage Elastikbandage gewickelt und zwei trage trocknen lassen, dann die Bandage weggenommen. Nach zwei Tage nahm ich die Bandagen weg und liess ich noch etwas trocknen. Nach einer Woche sahen die sehnen aus wie gehärtete Glasnudeln. Während dem ganzen Prozess war der Bogen mit einer Schnur umgekehrt gespannt. Doch diese Schnur hat sich weder gelöst noch entspannt.

Hat jemand sonst eine solche Erfahrung gemacht? Falls ja: was war der Fehler?

Grüsse
Nordicus

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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Snake-Jo » 03.10.2021, 19:24

Gib doch mal die Schichtdicken der einzelnen Komponenten an, dann sehen wir weiter.

Leinölfirnis braucht länger, bis er nicht mehr klebt. Zudem erschweren ölige Substanzen eventuelle Reparaturarbeiten.
Grüsse, Jo

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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 08.10.2021, 18:53

Schichtaufbau: ca. 3mm Horn, 4mm Bambus und 5mm Sehne.

Okay. In dem Fall Bootslack. Wobei Leinölfirnis mit etwas Sikkativ innert einem Tag trocknet. Habe alle meine Schilder so bemalt - wobei ein Schild ja nicht flexibel ist. Und Du hast recht: Öl und Leim vertragen sich nicht gut.

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Re: Kompositbogenbau nach Anleitung Reflexbogen

Beitrag von Nordicus » 15.10.2021, 18:19

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Anbei noch die Fotos vom fertigen Bogen. Einmal entspannt, einmal bereit zum Schuss. Er schiesst sehr angenehm.
Wie gesagt, die Anleitung im Kapitel 8 vom Buch "Reflexbögen - Geschichte und Herstellung" ist gut und praktisch zu folgen. Leider hat es keine Ansichten der Siyahs von vorne oder hinten, aber die hat es in nun diesem Thread.

Ich kann bestätigen, dass man als Anfänger einen funktionierenden Bogen nach der Anleitung hinkriegt. Ich muss zugeben, ich habe vorher schon drei Langbögen aus Esche und einen aus Robinie gemacht. Mit Hautleim kenne ich mit vom Bau von Schilder aus. Aber mit Horn und Sehne habe ich zum ersten Mal gearbeitet. Für ein Erstlingswerk ist die Anleitung von Joachim Rutschke - zusammen mit dem Kapitel 11 von Micha Wolf "Rekonstruktion eines osmanischen Kompositbogens" welches weitere wertvolle Tips zum Umgang mit Sehnen und Horn gibt - reichen voll aus.

Das Buch "Der Osmanische Kompositbogen" von Adam Karpovicz ist eine wertvolle Ergänzung, doch für den Anfänger eher entmutigend - nach dem ersten lese hätte ich das Projekt fast aufgegeben. Zum Glück gibt es auch dieses Forum. Herzlichen Dank an alle, die sich an diesem Thread beteiligt haben - insbesondere Snake Jo und Hieronimus.

Der Bambus für den zweiten Bogen liegt schon auf dem Arbeitstisch. Das Horn auch. Leider hat "Die Bogenbautradition Horst Perk" zurzeit lieferengpässe bei den Straussensehnen, doch ich bin optimistisch, dass diese sich auch bald wieder lösen. Und dass ich bis dann herausfinde, warum sich mein Bogen nach dem Sehnenbelag nicht zusammengezogen hat.

Bis Bald
Nordicus
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