Holz spalten und einlagern

Hölzer, Kleber, etc.
hubi75
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Holz spalten und einlagern

Beitrag von hubi75 » 27.09.2017, 20:53

Hallo miteinander,
nachdem mein erster Bogen anständig Spass macht und auch der Weg dahin recht entspannend war, will ich weitere Bogen bauen. Dazu will ich mir einen kleinen Holzvorrat anlegen. Da der Hasel meines Erstlings Drehwuchs hatte und ich, nachdem ich ihn in der Unkenntnis der Materie gespalten habe, ihn einkürzen musste, stelle ich mal eine grundsätzliche Frage danach, wie ich welche Hölzer zu behandeln habe, damit da auch nach der Trocknung ein schöner Bogen in Normallänge draus wird.
Also ob die Rinde ab muss, spalten oder sägen/hobeln/ziehmessern, versiegeln und Fäll- und Trockenzeit.
Folgendes steht zur Debatte:
- Esche, Stamm etwa 25-30 cm Durchmesser
- Spitzahorn, Stamm etwa 15 cm Durchmesser
- Holunder, etwa 20 cm Durchmesser, gebogen, astfrei, aber eventuell Drehwuchs
Was die Fällzeit angeht, so hat mir mein Vater mal gesagt, dass es am besten um die Wintersonnenwende ist, weil da der Baum am wenigsten Saft hat.Da drehte es sich aber um Brennholz, gilt das auch für Bogenholz? Wenn ich richtig gelesen habe, dann bildet die Esche das hochfeste Spätholz noch länger aus, oder täusche ich mich da? Wird bei genannten Hölzern der erste Ring unter der Rinde verwendet oder der dickste freigelegt?
Für sachdienliche Hinweise schon mal besten Dank!
Grüsse,
Hubi

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Blacksmith77K » 27.09.2017, 21:07

Jetzt bekommst du die 2584 besten Arten der Holztrocknung und Einlagerung. ;D ich kann dir da nur bei Eibe helfen. Stämme unter 20cm Durchmesser an den Schnittflächen und den außen sichtbaren Ästen mit einem dicken Lack, Farbe was weiß ich zuschmieren und luftig in die Ecke stellen. 8-12 Monate später mit der Bandsäge in Staves schneiden, Fertig.
...du biegst nicht den Bogen, der Bogen biegt Dich!

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von schnabelkanne » 27.09.2017, 21:31

Servus, also ich würde mit dem Fällen noch etwas warten. Bei Esche nach dem Spalten unbedingt Rinde ab sonst hast du kleine lästige Holzfresser drinnen. Versiegeln und Lagern wie bei allen anderen Hölzern.
Lg Thomas
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royales
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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von royales » 27.09.2017, 21:59

hallo,
ich will dir ja nichts einreden, aber holler am besten zum jahreswechsel schneiden. In diesem Fall aber wär es wahrscheinlich besser den Baum zu schonen, wäre schad drum. Ein 20 cm Holler ist sicher ein Erdstamm, und der hat zu 90 % Drehwuchs,
den du schon an der Rinde erkennen kannst. So ein Methusalem hat sicher auch kein Topholz mehr, eher im Gegenteil.
Wo wohnst du denn? Wenn du bei mir in der Nähe bist, schenk ich dir einen und verschon bitte diesen Stamm.

grüße
royales

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von fatz » 27.09.2017, 22:52

Ich muss meinem Vorredner wiedersprechen, der Holler hat nicht zu 90% Drehwuchs sondern zu 99,9%. Lass ihn stehen und such dir einen mit einem dick gewordenen Schoessling, der gerade gewachsen ist. Die haben oft keinen Drehwuchs. Mit dem Durchmesser aufpassen, das taeuscht gern. Die Rinde ist oft recht dick.
Holz schneiden, wenn die Blaetter unten sind. Was den Saft betrifft, das variiert nach Wetter und Holzart. Will sagen: Ist egal wann im Winter, das hast eh ned im Griff.
Ansonsten, bei allem ausser Eibe, Rinde runter, halb machen (Bandsaege/Beil/Ziehmesser) und das Stirnholz (Enden und groessere Aeste) mit Holzleim zuschmieren. Luftig, trocken und nicht zu warm lagern.
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Osboan » 28.09.2017, 08:29

Hey,

Esche, Ulme, Robinie sind sehr unkompliziert. Rinde ab, spalten/aufsägen, in die Ecke, fertig. die verziehen sich auch nicht groß.

Andere Hölzer (zB. Zwetschge/Schlehe/Mirabelle, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Flieder, und einige andere Konsorten...) brauchen etwas mehr Zuwendung. Da ist es gut, auch die Spaltflächen zu versiegeln und den Stave dann leicht reflex auf einen Balken spannen zum Trocknen. Schlehe und Mirabelle zB. verziehen und verdrehen sich eigentlich fast immer arg beim Trocknen.

Viel Erfolg
"Lernresistenz ist kein Privileg des Alters ;D" (fatz)

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von fatz » 28.09.2017, 08:43

War gestern etwas in Eile. Deswegen jetzt noch ein paar Einzelheiten.
Halb machen: Wenn der Pruegel gerade ist, lohnt sich teilen (spalten wenn ohne Drehwuchs sonst Bandsaege etc). Wenn nicht, interessiert normal eh nur die relflexe Seite (ein Bogen der vom Start weg schon deflex ist, ist meist eh eine lahme Gurke). Dann ist das einfachste man hackt den deflexen Teil gleich mit dem Beil (Suchfunktion: Behaubeil) bis zum Markkanal runter. Sonst reisst er eh ein. Ich hab als Ausgangsmaterial meist eher duenne Staemme <10cm. Dicke gerade Staemme kannst manchmal in mehr Teile teilen, aber wenn der Baum iwie einseitig war, kriegst da beim Trocknen gern seitlichen Verzug.

Feuchte im Winter: Wie gesagt, das variiert. Z.B. Hartriegel (den ich dir uebrigens waermstens empfehlen kann) wird ueber den Winter immer trockenen und hat seine Minimalfeuchte dann, wenn andere Baeume schon fleissig am Austreiben und bis oben hin voll Wasser sind. Kann man also nicht an der Sonnwende festmachen, auch wenn das ein schoenes Datum ist. Wenn man das Holz schoen langsam trocknet, spielt das aber eh nicht so die Rolle.

Deine Holzauswahl: Eher suboptimal. Esche ist nicht so wirklich druckfest und kriegt gern Bauchfalten. Ahorn ist nicht so zugfest und reisst gern am Ruecken. Holler kann gute Boegen geben, wenn er keinen Drehwurgs hat, allerdings sind die Hollerboegen hier letzten Winter reihenweise geplatzt. Siehe Saplingturnier 2017. Ich wuerde da mal noch roten Hartriegel und Ulme empfehlen.

Ringauswahl: Normal nimmst den Ring unter der Rinde, ausser er taugt nichts (zu duenn oder nicht fertig gewachsen) oder du willst eine bestimmte Dicke Splint haben (meist bei Eibe). Das Ringe abnehmen ist bei manchen Hoelzer eine ziemliche Viehcherei.
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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Ravenheart » 04.10.2017, 13:54

Allgemeines guckst Du:
http://www.bogensportwiki.info/index.php?title=Bogenbau#Entrinden

Einige Spotlights:

Entrinden:
Ahorn (weil er leicht schimmelt)
Esche, Hasel (weil's ihr nix ausmacht)
Flieder, Ulme (weil es frisch 100x besser geht als trocken)

Nicht entrinden:
Eibe (damit der Rücken nicht zu schnell trocknet und versprödet)
Robinie (damit der Rücken nicht zu schnell trocknet und reißt)

Spalten:
Stämme unter 6 cm nicht, lieber mit dem Messer dünn schneiden, (Eibe aber ganz lassen, wird sonst krumm..)
Stämme 7 - 15 cm halbieren (beim Vierteln steigt stark die Gefahr, zu verziehen)
ab ca. 15 cm vierteln

Versiegeln:
Billigen Holzleim nehmen. Keine Sorge, wenn unterm Leim Punkte entstehen, das ist normal und nur oberflächlich.

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Blacksmith77K » 04.10.2017, 20:17

Ab 15cm vierteln ist Quatsch, weil jeder Stamm nur 2 Staves hat. Seitenstreifen, also Viertel verziehen immer. Dann hast du 4x Banane und keinen einzigen Stave
...du biegst nicht den Bogen, der Bogen biegt Dich!

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von hubi75 » 04.10.2017, 23:41

Dann schiess ich mal ne Frage hinterher: Ab welcher Stärke sind eigentlich Eibenäste verwendbar? Ich hätte da unter Umständen eine Gelegenheit.

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Neumi » 04.10.2017, 23:51

Ab jeder Stärke - kommt halt drauf an was Du von dem Bogen erwartest ;)
Grüsse - neumi
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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Ravenheart » 05.10.2017, 09:36

Blacksmith77K hat geschrieben:Ab 15cm vierteln ist Quatsch, weil jeder Stamm nur 2 Staves hat. Seitenstreifen, also Viertel verziehen immer. Dann hast du 4x Banane und keinen einzigen Stave


Nö.
Bei Eibe KANN es vorkommen, aber 90% meiner (dickeren) Eiben blieben auch geviertelt gerade.

Rabe

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Ravenheart » 05.10.2017, 10:09

hubi75 hat geschrieben:Dann schiess ich mal ne Frage hinterher: Ab welcher Stärke sind eigentlich Eibenäste verwendbar? Ich hätte da unter Umständen eine Gelegenheit.


Das hängt davon ab wie viel Kern/Splint die haben. Man hat 2 Bedingungen:
1. Ein Eibenbogen als ELB macht Sinn ab etwa 32 mm Dicke im Griffbereich (dünnere sind meist zu schwach/schwabbelig für die ELB-Länge, Ausnahmehölzer ausgenommen)...
Das bedeutet: mindestens ca. 70 mm Durchmesser.
Aber...
2. Du willst auch mindestens bis an's Bogenende noch Kernholz haben.
Selbst wenn man den Splint überdimensioniert, also mehr als 6 mm stehen lässt, mehr als 13 mm Splint würde dazu führen dass das Kernholz vor dem Bogenende ausläuft. Alles über 13 mm Splintdicke ist somit Splint-Überschuss.
(Splintüberschuss = also Splintdicke minus 13 mm)
Damit ergibt sich folgende Formel:

((32 mm + Splintüberschuss) x 2) = Mindestdicke
(gemessen am dünneren Ende)

Das kann dann einen ELB von ca. 40-45#, mit 13 mm Dicke am Ende, 32 mm im Griffbereich, und bis zu 13 mm Splintdicke ergeben.

Aber (2)...
Holz wächst nun mal nicht am Lineal.
ein paar (5) mm mehr zur Sicherheit wären daher angenehm.

Beispiel 1 (Garteneibe):
Splintdicke = 17 mm
Splintüberschuss = 4 mm
((32 + 4) x 2) = 72 mm
5 mm Sicherheitszuschlag
Mindestdicke = 77 mm
(Kann einen Bogen von ca. 40# ergeben, 32 mm im Griff, davon 13 mm Splint)

Beispiel 2 (Bergeibe)
Splintdicke = 6 mm
Splintüberschuss = 0
((32 + 0) x 2) = 64 mm
5 mm Sicherheitszuschlag
Mindestdicke = 69 mm
(Kann einen Bogen von ca. 50# ergeben, 32 mm im Griff, davon 6 mm Splint)

Rabe

PS: Soll der Bogen mehr als 40# bzw. 50# haben, muss man noch eine Zugabe machen.
Etwa 1 mm je 5# bei Garteneibe und 1 mm je 10# bei Bergeibe
Die #-Angaben sind natürlich nur grobe Schätzwerte.

PPS: Natürlich MUSS man aus Eibe keinen ELB bauen. Auch Eiben-Flachbogen schießen und sind schön! Die meisten, die Eibe verbauen, WOLLEN aber einen ELB (und es ist für Eibe auch das SINNVOLLSTE Design!). Wer "nur" einen Eibenbogen will, OHNE "ELB-Anspruch", kann natürlich auch dünnere Äste zu einem linsenförmigen Querschnitt verbauen....
Dann gehen auch Äste mit 55 mm Mindestdicke...

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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Blacksmith77K » 05.10.2017, 17:47

Ravenheart hat geschrieben:
Blacksmith77K hat geschrieben:Ab 15cm vierteln ist Quatsch, weil jeder Stamm nur 2 Staves hat. Seitenstreifen, also Viertel verziehen immer. Dann hast du 4x Banane und keinen einzigen Stave


Nö.
Bei Eibe KANN es vorkommen, aber 90% meiner (dickeren) Eiben blieben auch geviertelt gerade.

Rabe


Ausnahmen bestätigen die Regel. Du schreibt es 'kann' vorkommen, ich sage es kommt beim Vierteln von Eibe zu 90% zu Verzug. Aber ich lasse deiner Einschätzung Vorrang. ;)
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Re: Holz spalten und einlagern

Beitrag von Ravenheart » 06.10.2017, 10:03

Es geht gar nicht um Vorrang, sondern um Erfahrungsaustausch..
Jeder hat so seine, und wenn die unterschiedlich sind, müssen eben beide dargestellt werden.
Dann kann man das hinnehmen und für sich Schlüsse draus ziehen - oder forschen, wie es dazu kommt.
Beides macht Sinn.
:)

Rabe

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