Bodkin mit Tülle Schmieden

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eddytwobows
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Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von eddytwobows » 22.09.2011, 11:47

So, hier mal ein paar Bilderchen, wie man sich einen Bodkin mit Tülle Schmiedet, so zum "anfixen", sozusagen... ;) :D
Kleines Video dazu folgt die nächsten Tage noch...

1. Das Ausgangsmaterial, eine alte Stoßdämpferfeder, d=10mm

2. Rohling frisch abgetrennt (länge so etwa 3 1/2 bis 4 1/2 cm, je nachdem, welches Gewicht die Spitze am Ende haben soll)

3. Begradigte Rohlinge...

4. Ofen-Esse angefeuert...

5. Das verwendete Equipment (v. lks. n. rts.)
altes Sch...haus Entlüftungs-Rotax-Gebläse, Kegeldorn (10°), Wasserpumpenzange, Schloßerhammer, Spalthammer (opt.),
Schmiedezange flach, Schmiedezange Rundmaul (mehr od. weniger ;) :D ), impr. Ofen-Esse, Bahnschienen-Amboß...

6.u.7. Das geschmiedete Tüllenblech sollte eine in etwa gleimäßige Dreiecksform aufweisen.

8. Anrunden des Bleches, damit es auch die Rundung in der gewünschten Richtung annimmt...der Rest passiert dann quasi wie von selbst...

9.-11. Schmieden der groben Tüllenform... erst wird das Tüllenblech über die Außenkanten geschmiedet. Dabei nimmt es schon von selbst grob die spätere konische Form an. Wenn es einigermaßen in Form ist, wird an dem Übergang Tülle>Spitze weitergeschmiedet, daß Tüllenblech wird dadurch sozusagen "aufgerollt" und die Kanten schieben sich dabei übereinander, so das man nun mit dem Kegeldorn die endgültige Form und das richten beginnen kann.

12.u.13. Das "Spezialwerkzeug", der Kegeldorn zum endgültigen Formen und richten der Tülle kommt zum Einsatz...
Wenn das Formen u. richten soweit abgeschlossen ist, kann man den "Hals" (Übergang Tülle>Spitze) noch etwas mit der anderen, der Keilseite des Hammers "zart anschlanken"...

14.-16. Die Vierkantspitze ist rel. schnell gemacht. Hierbei ist nat. auf eine saubere Ausrichtung zur Tülle zu achten...

Anschließend kann man die Spitze noch härten (aber bitte NUR die Spitze, ca. auf 3/4 Ihrer länge, NICHT die Tülle !!!) und sauber Schleifen, bzw. durch entspr. Schleifen die Tülle kürzen und vor allem das Gewicht anpassen.
Der hier gezeigte "Roh-Bodkin" hat jetzt noch ein Gewicht von ca. 300 - 320gr., was sich nach dem Schleifen, bzw. dem kürzen der Tülle und saubermachen des Halses schnell auf 220-250gr. reduziert...

Und fertig ist der Bodkin mit geschmiedeter Tülle... ;) :) :)

LG
etb
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eddytwobows
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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von eddytwobows » 22.09.2011, 11:50

und weiter gehts... 9-16...
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Windmann
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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Windmann » 22.09.2011, 12:11

Ein schöner Bericht, Eddy. Ich bekomme richtig Lust mich selbst mal an ein paar Spitzen zu waagen.

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Quercus » 22.09.2011, 13:11

Kann mich da nur anschliessen. Sehr schoen.
Auch wenn ich mit Schmieden bisher noch fast nichts zu tun hatte bekommt man da doch Lust.

Nur mal so. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass die damaligen Bodkins nur an den Kanten gehaertet waren damit sie nicht abbrechen. Kann das stimmen oder waere das technisch mit den damaligen Mitteln nicht moeglich gewesen?

QS

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Galighenna » 22.09.2011, 13:16

+++Auf Bitten von Eddytwobows gelöscht+++

Und über den Tonfall äussere ich mich jetzt nicht...
Danke für den Hinweis
Zuletzt geändert von Galighenna am 22.09.2011, 14:05, insgesamt 2-mal geändert.
Übel übel sprach der Dübel,
als er elegant und entspannt
in der harten Wand verschwand

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von eddytwobows » 22.09.2011, 13:58

@Galighenna
Ich würde doch höflichst drum bitten, den Thread nicht mit irgendwelchen unfundierten oder halbgaren persönlichen "Vorstellungen", welche weder auf einem profunden, techn. Wissen oder klarer und nachweisbarer Erfahrung basieren, Vollzumüllen, ja !!?? >:( Danke...!! :)

@Quercus...
Also, meines Wissenstandes nach ist der für Needle-Bodkins damalige Verwendete "Stahl" kaum besser gewesen, als heutiger St 36 od. 37, also mal gerade eben son "tick" über Eisen...zwar schon irgendwie "Stahl", aber halt auch nur so gerade eben...
Also ohne aufwändige Verfahren, wie aufkohlen oder Lagenschweißen nur schlecht bis mäßig härtbar... außerdem spielte da wohl auch noch der wirtschaftlich Faktor ein gewichtige Rolle... Schuß und weg, sozusagen, da hat es sich wohl kaum gelohnt, einen qualitativ hochwertigen und damit auch extrem teuren Stahl für diese Art von Spitzen zu verwenden.

Wenn man sich mal die Videos von div. Beschußtest von Mitgliedern der English Warbow society ansieht, kann man darauf auch deutlich sehen, daß so gut wie alle Spitzen der verwendeten und wohl auch authentisch gefertigten Needle-Bodkins entweder verbogen oder sonstwie erheblich beschädigt sind, was auf ein nur "angedeutetes" oder sogar gar kein Härteverfahren schließen läßt.

Außerdem, nur genau die Kanten zu härten, wäre damals bei einem Needle-Bodkin viel zu aufwändig gewesen... da hat man mit Sicherheit nur die Spitze auf Temperatur gebracht und dann schlicht auf 3/4 in Wasser abgeschreckt, wenn man sich überhaupt soviel Mühe gemacht hat.
Wie gesagt, Schuß und weg... um ein Kettenhemd zu Sprengen, muß der nicht unbedingt gehärtet sein, daß passiert von alleine durch die "Nadelform" und durch das Gewicht.
Und bei einem ungeschützten Infanteristen ist es ebenfalls egal, wenn da so ein Trum einschlägt ist da entweder ein übelstes Loch in der Anatomie oder gleich "Licht aus". ;) :)

Bei einem Broadhead sieht es dagegen wieder völlig anders aus, bei dem kann man halt bauartbedingt ohne weiteres nur die Schneiden härten, sofern man einen entsprechenden Stahl verwendet hat.

LG
etb

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Quercus » 22.09.2011, 18:21

@eddy
Wahrscheinlich hast du Recht. Vieleicht waren ja auch Broadheads gemeint. Kann mich nicht mehr daran erinnern. Ausserdem soll ein guter Schmied 100 Spitzen am Tag geschafft haben. Das stand glaube ich in DER GEFIEDERTE TOD. Da kann man sich mit dem Haerten jeder einzelnen Spitze nicht zu lange aufhalten.
QS

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von shokunin » 22.09.2011, 18:35

Coole Beschreibung - klasse :o

Danke.

Sieht immer so leicht aus wenn's einer kann... ;)

Werden/wurden die Tüllen je verschweisst oder braucht es das einfach nicht?

Zum Härten... wäre interessant definitiv zu wissen... wenn der Stahl härtbar ist dann dauert das Härten keine Sekunde... heiss machen, abschrecken, fertig,...
Aber wie Eddie ja sagt... der Stal war wohl kaum "Stahl" sondern oft eher "wrought iron"... vielfach erhitzt und ausgeschmiedet um das Metall homogen und dehnbar zu machen... aber dadurch mit sehr viel weniger Kohlenstoff und nur sehr bedingt härtbar...
Aber wer weiss... dann heisst es auch die Rüstungen wären gehärtet gewesen... man nimmt an auch gehärtete Waffen waren im Einsatz...

Naja, jedenfalls eine klasse Beschreibung und es kann ja heute jeder den Stahl beliebig wählen je nach dem ob ihn Leistung oder Geschichte interessiert.
"I don't believe it!!" (Victor Meldrew)

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von captainplanet » 22.09.2011, 18:47

Da mußt Du aber ordentlich schleifen, wenn Du 80grs runter willst. Und selbst dann finde ich sie immer noch recht schwer. Ich schmiede meine Bodkins aus Schmiedestahl mit quadratischem Querschnitt und einer Seitenlänge von 5 oder 6 (?) Millimetern. So eine Spitze liegt dann gewichtsmäßig durchaus in dem Bereich käuflicher Scheibenspitzen, meine leichtesten wiegen 110gr. Wobei ich sagen muß, daß die Dünnheit meines Rohmaterials schon grenzwertig ist. Aber ich hab das Zeug halt mal im Schrott gefunden und jetzt verwend ichs auch...

Ich länge den Stahl übrigens erst ab, nachdem ich die Tülle geschmiedet habe. Ich tu mir da leichter.

Lg Georg
Bester Rindengrapscher von FC!!!

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von ullrson » 22.09.2011, 21:18

Einwandfrei!

Ich hätte allerdings die Feder geradegebogen und die Tüllen an das Federende geschmiedet, um danach die Feder an einer zuvor angebrachten Körnung abzuschroten - genau wie captainplanet. Vorteil ist, man kann den Stahl ohne Zange halten, bis die Tülle fertig ist. Die Körnung wird entsprechend dem gewünschten Spitzengewicht in den Stahl geschlagen. Dann muss man nach dem Schmieden nicht so viel runterschleifen.

Grüße ullrson

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Mike W. » 22.09.2011, 21:59

Klasse Beschreibung! ;)

Doch zur Frage wegen der Kantenhärte liegen andere Erkenntnisse vor.( TB 59, Seite 65)
Demnach waren die Kanten gehärtet, der Rest weich.
Das sollte ein Zersplittern verhindern.
Untersucht wurde eine Bodkin- Spitze.

lG Mike
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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Tarmes » 22.09.2011, 22:07

Ha, frei mi auch den Teil zu sehen....die Entstehung.

Die Idee zuerst mal die Tülle an der langen Stange (gestreckte Feder) zu schmieden und dann abzutrennen hat für mich aber auch was - wird gespeichert....

Die Frage ist ob man überhaupt auf 80grs runter will...ich probiers am Woende aus so wie es ist. Sie sind schwer - aber schön zu zentrieren.

lg

Tarmes

P.S. Verschweißt braucht die Tülle def. nicht werden....
Ligna in silvam ferre...

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von klaus1962 » 23.09.2011, 08:12

Find ich super, daß hier Schmiedearbeit als Buildalong präsentiert wird.
Danke für's zeigen, Eddy. Hab ich glatt wieder was gelernt. (Bin ja noch am Ofen-austüfteln)

Übrigens (1.Foto):
Sehe ich das richtig, daß Du Dir den Luxus eines Kreuzsupports als Schraubstock gönnst ? 8) 8) 8)

Gruß
Klaus

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von eddytwobows » 23.09.2011, 12:30

@Quercus...

Naja, auf 100 Stck. pd. komme ich noch nicht... ;) :D
Allerdings ist meine Ausrüstung für solch eine Stckz. (...und eig. auch ansonsten...) def. Suboptimal... und Du darfst ein paar Sachen nicht vergessen...

zu 1: Die Leute, die diese Dinger damals hergestellt haben, waren absolute Spezialisten mit der entsprechend angepassten Ausrüstung, die wahrscheinlich über Wochen u. Monate hinweg nichts anderes gemacht haben und die auf ein wahrscheinlich langes und über Generationen hinweg weitergegebenes diesbezügliches Wissen zurückgreifen konnten.

zu 2: So ein Meister hat meistens zwei paar Arme mehr, als wie Ihm von Natur aus gewachsen sind (das eine paar heißt dann Geselle und das andere paar Lehrling ) ;) :D :D

Und da ich halt nur mit einem Hammer und nicht mit einem Vorschlag betrieben Blechgesenk (Blech fertig mit 2-4 Schlägen in EINEM Glühgang !) arbeite, brauch ich nun mal ein klitzekleinesbißchen länger (gesch. 25-35 Schläge in mind. 3 Glühgängen).

D.h. wenn ich mich stramm ranhalte, käme ich mit entspr. Übung, Vorbereitung UND einer größeren Esse nebst vernünftigen Amboss u. Zangen VIELLEICHT auf eine Stckz. von 20, 25 ev. sogar 30 pro Tag...mit der derzeitigen Ausr. wären 10-15 das ABSOLUTE Maximum... aber dann kann ich den nächsten Tag auch gleich liegen bleiben... ;) :D :D

@captainplanet, ullrson...
Ne, schon klar, bequemer und leichter ist das auf jeden Fall, die Tülle ans Ende einer Stange zu schmieden und sich das Hantieren mit der Zange dabei zu sparen, nur leider hab ich nicht die Möglichkeit, die Feder in einem Stck. warmzumachen, um sie gerade zu richten, das läßt die Esse Platzmäßig einfach nicht zu.
Und Gas u. Sauerstoff hab ich auch nicht, also muß das halt so gehen...

@Mike...
Könntest Du mir den Artikel per PM rüberschicken, würde mich schon mal interessieren...?

@Klaus...
Naja, es ist teilweise schon mehr ein Kreuz denn ein Support... ;) :D :D
des Dingen wackelt teilweise wie´n Lämmerschwanz, aber zum einspannen, um was abzusägen oder sowas reichts halt... ;) :D

LG
etb

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Re: Bodkin mit Tülle Schmieden

Beitrag von Mike W. » 23.09.2011, 12:48

guckst du in kurze Zeit bei Emilbriefkiste :D

Du hast eine Mehl zu dieses Teema!
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