Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Selbstgebaute Befiederungsgeräte, Spinetester, etc.
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Uranus79
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Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von Uranus79 » 13.06.2017, 19:50

Hallo Bogenbauer,

für den Bogenbau habe ich mir ein einfaches Schnitzpferd aus Balken, Kanthölzern und Latten gebaut. Dabei sitzt man auf einem langen Balken, der neben der Sitzfläche noch lang genug ist um einen Wurfarm, den Griff und etwas Überhang abzudecken (1,60m). Damit ich einen ganzen Wurfarm mit 0,8m Länge bearbeiten kann, ist die Klemmvorrichtung eher weiter weg von einem selbst. Aus diesem Grund habe ich sie so gebaut, daß man mit den Füßen zieht (siehe Schemazeichnung). Das war allerdings nicht fest genug, um Hickory zu bearbeiten, bei Hasel ging es noch. Jetzt habe ich mich gefragt, was tun - erste Idee mit Leder oder so weniger rutschend machen, habe ich aber nicht versucht. Zweite Idee war dann, den Klemmrahmen beidseitig des Sitzbalkens zu bauen, half aber nichts. Dann dachte ich mir, die Schnitzpferde sind ja alle so gemacht, daß man mit den Füßen drückt und nicht zieht. Also habe ich mein Pferdchen entsprechend umgebaut (unterer Teil des Schemas). Das half!
Jetzt gibt es drei Möglichkeiten warum, und meine Frage an Euch ist - was schätzt ihr, ist hier wesentlich?

1) man kann eventuell stärker drücken als ziehen, zumal die Füße auf dem Boden stehen bleiben und nicht wegrutschen
2) bei der ziehenden Konstruktion sorgt die Schwerkraft eher dafür, daß sich der Hebel löst
3) zieht man das Werkstück mit dem Ziehmesser bei fester Bearbeitung (Hartholz Hickory!) auf sich zu, so zieht sich die Klemmvorrichtung dadurch fest, wenn man unten drückt - das Werkstück zieht man auf sich zu, das zieht über Reibung den Klemmklotz, wodurch dieser durch den Hebel noch mehr auf das Werkstück gepreßt wird

Ich vermute, 3) spielt eine größere Rolle, hätte ich nur vorher nicht erwartet. Was meint ihr?
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IMG_20170613_193645.jpg
Schema Schnitzpferd

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Uranus79
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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von Uranus79 » 13.06.2017, 19:53

Nur so zum weiteren dokumentieren: das Schnitzpferd vor dem Umbau. Es ist ohne Schrauben zerlegbar.
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IMG_20170613_193645.jpg
Schnitzpferd vor Umbau

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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von wanttostart » 13.06.2017, 21:12

Nach nur kurzer Überlegung würde ich, nur aus der Theorie heraus, wie ich ein solches Gerät verwenden würde, nachfolgende These aufstellen wollen.
Du ziehst das Ziehmessr auf Dich zu und wendest dabei eine Recht große Kraft auf. Das würde dich zum Messer hin bewegen. Um dem entgegen zu wirken drückst Du Dich am Fußhebel ab und erzeugst damit automatisch eine größere Kraft für die Klemmwirkung.

edit: Kleinere Rechtschreibkorrekturen durchgeführt und doppelte Worte gestrichen.
Zuletzt geändert von wanttostart am 14.06.2017, 08:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von fatz » 13.06.2017, 22:09

Der Herr vor mir hat recht und das ned bloss theoretisch. Mit den Haxen ziehen geht sowas von gar nicht.........

Gruss vom Physiker
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fatz
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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von fatz » 14.06.2017, 07:36

Noch was zum Nachdenken:
Untitled.png

Wenn du das so machst, schnitzt du dir nicht mehr ins Bein / kriegst keinen Bandscheibenschaden, kannst die Arbeithoehe einstellen und die Klemmung bewegt sich mehr auf und ab statt hin und her. Die Verlaengerung unten ist optional, wenn du weiter weg sitzen moechtest. Bei meiner hab ich die wieder abgebaut, nachdem ich die Klemmmung so umgebaut hab.
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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von Uranus79 » 15.06.2017, 18:33

Hallo zusammen, danke für die Antworten. Also gezogen habe ich mit den Beinen schon ganz schön fest (Fitneßstudio-trainiert). Das Arbeiten in der Ebene vor einem ging bislang auch, daher hatte ich noch keine Erhöhung eingebaut. Beinen und Bandscheiben ging es gut, aber ich konnte es ja auch noch nicht lange testen. Wollte ja eigentlich nur auf Drücken umbauen, und dann weiter mit Bogen bauen - soweit so gut - dann kamen neue praktische Erfahrungen, die fatz total bestätigen ;D

Habe heute erstmal das Gestänge am Boden auf Drücken umgebaut, dann konnte ich am Schnitzpferd erstmal den Hickory-Rohling bearbeiten. Tja und da kam das Ziehmesser dem Knie schonmal gefährlich nahe (Kratzer) und nach einigen schweißtreibenden Arbeiten am recht harten und spröden Hickory tat's im mittleren Rücken aber schon ganz schön drücken...

Also erneut Säge usw. geschwungen und doch schräges Brett gebaut. Ich muß sagen, deutlich besser! Echt angenehm, wenn man mehr auf sich zu arbeiten kann.

Also vielen Dank für Eure Tipps, die waren mir so lange im Kopf, bis ich alles ausprobiert habe und sie bestätigen kann. Jetzt weiß ich, wieso Schnitzpferde so aussehen ;-)

Danke und Grüße,
Uranus

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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von fatz » 15.06.2017, 20:58

Siehst du, geht doch ;)

Ich hab das ganze auch grad erst durch....
Haben ist besser als brauchen.

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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von Uranus79 » 16.06.2017, 20:14

So sieht's dann im Endeffekt aus...
Dateianhänge
IMG_20170616_162140.jpg
Schnitzpferd finale Version

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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von schnabelkanne » 16.06.2017, 21:25

Servus, ja Hickory ist auch ein verdammt zähes Holz ich hab bei meinen Hickory Bretterstaves nach dem groben zusägen immer nur mit Hufraspel und Ziehklinge arbeiten können, mit dem Ziehmesser oder Schweifhobel ging da nichts.
Lg Thomas
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Re: Schnitzpferd - ziehen und drücken - Physikfrage

Beitrag von Idariod » 21.08.2017, 10:09

Ich versteh es nicht...was ist an deiner Variante die Verbesserung zu der althergebrachten Variante mit dem einfachen Hebel?

LG,

Idariod
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