Kompositbogenexperiment

Sättel, Zaumzeug, Reiterbogen, Kompositbogenbau, usw.
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Snake-Jo
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Snake-Jo » 18.03.2018, 15:14

stefan kaletsch hat geschrieben:Deine Sehne hast Du wirklich imponierend gut verarbeitet. Beim Entfetten bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich not tut. Ich habe mal vor Jahren bei ATARN eine Diskussion über das Thema mitverfolgt, viele plädierten dagegen, aber schaden kann es wohl auch nicht...


Man muss sich das so vorstellen: Sehnenmaterial ist umgeben von Bindegewebe, Fettgewebe, Muskeln. Da ist also viel Fett im Spiel. Auch der Hautleim wird aus "fettigen Sachen" gewonnen und so gut er auch hinterher noch verarbeitet wird, fettfrei wird er nie! Der Hautleim klebt also fettige Sachen und gibt sein Fett noch dazu... ;D
Das Entfetten schadet wohl nicht, ist aber unnütze Arbeit.

@Elbenberger: Gut gemacht, nur beim Rahmen habe ich auslaufende Fasern gesehen. Bei so einem "Hightech-Gerät" (für damalige Verhältnisse) müssen die Einzelkomponenten auch hochwertig sein.

P1000974.JPG

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Elbenberger
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 18.03.2018, 15:45

Hallo Jo! Ja du hast Recht sieht auf dem Foto schlimm aus. aber ich denke die Sehne wird es unten halten.Das Material für die Arme ist Eibensplint und ist fast zäh wie Leder.Den Rillenschaber gibt es als Geschenk ,habe mehr als ich brauche. Gruß Gerd
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P1000987.JPG
So gut wie unzerbrechlich
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von stefan kaletsch » 18.03.2018, 20:35

Hallo Gerd,
sehr schön!

Frage zum Grundieren: Einmal dünnflüssig, einmal dick?

Zum Sehnenbelag: Lässt Du ihn gelieren und erwärmst ihn dann wieder? Kannst Du nochmal genauer sagen, in welcher Reihenfolge Du die Sehnenverbände und in welcher Länge Du sie auflegst, den Griff auch? Warum upside down?

Ich habe ja schon mal geäußert, dass ich diesen eingebogenen Reflex bei den Türken als nicht nachhaltig erfahren habe. Meine Vermutung ist, dass er hauptsächlich der Fluchtung und der Symmetrie des trocknenden Bogens dient. (Und natürlich zum Angeben!) Ist Hosengummi denn luftdurchlässig? Ich nehme immer Mullbinden ( für die echte Mumie!)

Danke Jo! Das war deutlich!
LG Stefan

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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 19.03.2018, 00:26

Grundieren 2x dünnflüssig das 2.mal direkt vor dem auflegen der ersten Lage die vom Anfang des Griffspleises bis über das Kasanknie und die ganze Wa. Breite reicht.Up Side / Down deshalb weil ich den Belag auf dem Brett einstreiche und die Oberseide mehr und ungelierten Leim hat.Reflex damit der Belag beim trocknen nicht abhebt. Reihenfolge : Zuerst Sal dann Kasan mit ca.8cm Überlappung auf der Anderen Seite das gleiche dann Griff Mittellage bis über die Spleisse, zuletzt die Griffseiten etwa die gleiche Länge. Alles ein paar mm auf die Bauchseite .Für die 3. und letzte Lage habe ich Sehnen von ca. 50 cm Länge. Der Hosengummi ist luftdurchlässig , hält den Druck und bringt das Ganze gut in Form. Morgen wird ausgewickelt.
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Snake-Jo » 19.03.2018, 17:34

stefan kaletsch hat geschrieben: Ist Hosengummi denn luftdurchlässig? Ich nehme immer Mullbinden ( für die echte Mumie!)


@Stefan: Naja, wenn du echte Mumien, statt Bögen, bauen willst.... ;D
Es wird ja alles mögliche verwendet und ist auch von mir durchgetestet worden: Mullbinden, Felgengummis vom Rad, Lederstreifen etc. Hat alles seine Vor- ud Nachteile. Nur der Hosengummi hat nur Vorteile (was ich mind. 6 mal in versch. threads gepostet habe, und auch publiziert, z.B. S. 186 in "Steppenkrieger"):
- Leicht lösbar
- hat die richtige Spannung (Sehnenschicht wird zusammengedrückt aber nicht verschoben)
- luftdurchlässig
- wiederverwendbar, da waschbar, sogar kochfest
- kann auf "Stoß" verarbeitet werden
Der Clou ist auch der richtige Aufbau der Spannung: Über die Bauchseite (Hornschichtseite) die Spannung aufbauen, mit Finger an der Kante fixieren, Gummi unter Spannung um die Sehnenschicht legen, Finger lösen.
Mach das mal mit deiner Mumie! ;D

Man kann den Gummi lösen, sobald die Sehnenschicht fest geworden ist, meist nach einem Tag.

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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 19.03.2018, 18:26

Die Mumie ist ausgewickelt,etwa 1mm Sehnenbelag.
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P1000990.JPG
Die Abdrücke sehen auf dem Foto schlimmer aus als am Original.
P1000993.JPG
Lieber Gott lass den einen Arm so werden wie den anderen.
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von stefan kaletsch » 19.03.2018, 20:09

@ Jo: Ich fand Mullbinde immer gut und hatte auch nie Probleme damit, werde aber dem Hosengummi ne Chance geben!

@ Gerd: Danke für Deine schlüssigen und genauen Antworten! 2 Fragen noch: wie war das jetzt mit dem Gelieren und
wie hast Du es hinbekommen, dass der Belag genau an der Hornkante abschließt?

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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Hieronymus » 19.03.2018, 21:49

stefan kaletsch hat geschrieben:wie hast Du es hinbekommen, dass der Belag genau an der Hornkante abschließt?


Einfach an der Hornkante anfangen aufzubauen. Hier kannst du es sehen.(Vorletzter Beitrag)
http://www.fletchers-corner.de/viewtopic.php?f=15&t=29858&start=60

@Gerd bei mir sah es auch nicht anders aus, nach dem die Hosengummis runter waren ;) Wiegst du die Sehnen pro Wurfarm ab ?

Gruß Markus
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 20.03.2018, 09:07

Guten Morgen ! Stefan, den Sehnenbelag ein paar mm breiter als den Wa.ungeeliert und in einem Durchgang aufbringen,wie die Koreaner ,ohne nochmal zu erwärmen. Markus , ich wiege die Sehnen ab, messe aber nach jeder Lage die Wa.Dicke und gleiche den Unterschied bei der nächsten aus. Es rutscht ja mal mehr mal weniger durch den Druck des Gummis auf den Bauch.
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von stefan kaletsch » 20.03.2018, 09:27

@ Markus: Danke für den Hinweis! Mir ist die Technik des "Aufbauens" nicht vertraut, da ich immer ein komplettes Sehnen-band auflege, das dann durch die Umwicklung über die Kanten hinweg "rausgequetscht" und später bündig geschliffen wird. Nimmst Du dann einzelne Sehnenstränge und fängst auch bei der gegenüberliegenden Hornkante neu an ?

@ Gerd: Nicht dass wir uns missverstehen: Die Koreaner warten ca 30 min, dann ist das Sehnenband geliert und wird auch kurz wieder erwärmt! Oder liege ich da falsch?

Muss los... Stefan

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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Hieronymus » 20.03.2018, 11:31

@Stefan Ich habe bei beiden Bögen, die Sehnen in der ersten Schicht, zu 5 Bündel aufgeteilt. In den weiteren Schichten waren die Bündel etwas größer. Ich finde es handlicher mit kleineren Bündel zu arbeiten. Der Leim allerdings, sollte nicht so schnell gelieren. Ich habe meine Küche auf ca 30°C hochgeheizt, sodass die einzelnen Bündeln nicht so schnell gelieren und sich besser verbinden konnten. Es funktioniert für mich, aber es gibt auch mehrere Methoden die zum Ziel führen. Welche die "Beste" ist muss jeder für sich selber heraus finden.
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 20.03.2018, 16:56

Stefan, ich mache es wie Markus nur im Griff 3 Bündel.Mit Störleim braucht man nicht einmal den Arbeitsraum so hochzuheizen aber 57,80€ u. Porto für 100g :'( . Zu Croaker Schwimmblasen habe ich nichts gefunden.@ Gemeinde ,hat schon jemand Schwimmblasen von anderen Fischen getestet?
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Snake-Jo » 20.03.2018, 17:52

Erst einmal Kompliment: Das sieht alles gut aus und die Diskussion ist auf hohem Niveau. Weiter so! :) :)

@Elbenberger: Die Oberfläche sieht gut aus. Wenn man das Muster vom Hosengummi sieht, ist alles o.k. ;D

Zu dem Hautleim: ich nehme den 08/15 Hautleim von Dictum und war damit immer zufrieden. Ich lege mir auch immer kleine Bündel unterschiedlicher Länge zurecht, die dann dachziegelartig aufgebracht werden. Mit dem Preis von dem Schwimmblasenleim baue ich drei Bögen. ::)

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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 22.03.2018, 11:04

Gestern habe ich die zweite Lage aufgebracht,dieses mal auf den Kasangrat 2 Schichten ,eine schmale fast runde, nach dem gelieren überklebt von einer breiteren und dünneren. Dann bleistiftdicke an und über die Kanten des ganzen Bogens.Zuletzt den Saalbereich von Griffmitte bis Kassan und nach einer Stunde eingewickelt . Heute in aller frühe ausgewickelt mit einen Knochenstück (Falzbein) geglättet , noch mal leicht überfeilt und mit Küchenschwamm und heissem Wasser den Sehnenbelag und auch die Kleberreste vom Bauch gewischt. Bin jetzt bei 3,8mm Horn 5mm Holzkern und einer Gesamtdicke von 11,5mm die wohl noch schrumpfen wird.
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P1010023.JPG
Vor der letzten Lage wird das noch ausgearbeitet
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Wird zum Schluss auf 2/3 mm überstand reduziert
P1010027.JPG
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Re: Kompositbogenexperiment

Beitrag von Elbenberger » 23.03.2018, 15:23

Die letzte Lage ist drauf.
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P1010050.JPG
Gelieren lassen und wickeln.
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Aufgebracht wie schon vorher beschrieben.
P1010045.JPG
Je 12 Gramm gewaschen und gespült bis das Wasser klar war.
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Aufgerauht.
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