Bau eines osmanischen Kompositbogens

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Snake-Jo
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Snake-Jo » 01.05.2017, 08:56

Was meinst du mit Reflex vermindern im Kasanauge? Bitte Bild mit Pfeil.
Ansonsten:
Es wird Zeit, mit dem Teil ans Tillerboard zu gehen und ihn langsam auf Vollauszug zu bringen. :)

Sehnenlage: Die Profis nach ihrem 30. Komposit bekommen das eventuell gleich zu Anfang hin, aber so würde ich sagen: paßt! Nach dem Einschiessen kann man noch ein wenig an der Sehnenlage schrauben, z.B. mit seitlichen Anbauten (temporär) an den Nockkerben.

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Arcito
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Arcito » 01.05.2017, 11:31

Ok, schön! :)

Tillerbrett habe ich hier leider nicht in meiner kleinen Stadtwohnung, werd ich wohl von Hand erledigen. Also entwerder vorm Spiegel oder per Video kontrollieren. Mal sehen ob ich ihn wirklich ausgezogen kriege ;D

Ich werd ihn zuerst die Standhöhe, auf vielleicht 18cm erhöhen um zu sehen ob die Sehne dann noch an den Kasans anliegt.
Dann muss ich noch provisotrische Wicklungen unterhalb der Nocken anbringen.
Beim Tillern würde ich zunächst wie folgt vorgehen, siehe Bild:

Also einmal die Biegung beidseitig noch weiter Richtung Griff verschieben und rechts am Kasan-Auge etwas Wärme anwenden oder vorsichtig Horn abtragen. Das meinte ich mit Reflex vermindern.
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Arcito
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Arcito » 17.05.2017, 22:55

Hi,

hab in letzter Zeit etwas am Tiller gebastelt und ein bisschen ausgezogen, brauche aber mal andere Meinungen als meine eigene.
Ich hab das ganze mal abgelichtet und nochmal als Gif übereinandergelegt. Meine Diagnose: Oberer WA ist stärker, als unterer, zeigt sich auch ein wenig an der Standhöhe. Allerdings ist das Kasanauge oben auch steifer. Umdrehen will ich nicht, weil die Sehne dann nach dem Ausziehen nicht mittig auf den Kasan trifft. Vom Erscheinungsbild auf Standhöhe und Auszug hab ich den Eindruck er müsste sowohl oben als auch unten Richtung Griff mehr und runder biegen. Vom Zuggewicht hab ich auf jeden Fall noch Spielraum.
Was denkt ihr? Bin dankbar für Rückmeldungen

Grüße in die Runde
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Quirin
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Quirin » 18.05.2017, 06:46

Sieht auf den Bildern so aus als wäre er vor dem Kasanauge zu dünn im Verhältnis zum restlichen Sal. (Bei beiden Wurfarmen)

Könntest versuchen dort ein bisschen mehr Reflex rein zu bringen, um dann das Material in Griffnähe mehr zu belasten.

Falls er allerdings vom Zuggewicht noch weit über deinem Wunschgewicht ist, kannst du aber auch versuchen, in Griffnähe etwas Horn abzutragen. Ich persönlich würde aber die erste Variante bevorzugen.

Gruß,

Quirin

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Heidelzerg » 18.05.2017, 19:52

Also erstmal: Gratuliere, das Ding lebt!!! Sieht schon mal toll aus.

Deiner Diagnose dass der obere Arm stärker ist kann ich nur zustimmen, auch, dass sich das Kasanauge oben weniger biegt.Viel isses nicht!

Wenn Du eh noch Luft beim Zuggewicht hast, würde ich den oberen Wurfarm etwas schwächen. Wie und wo wissen die Experten besser, naiverweise würde ich einfach am Horn ein wenig schaben.

Quirin hat geschrieben:Könntest versuchen dort ein bisschen mehr Reflex rein zu bringen, um dann das Material in Griffnähe mehr zu belasten.

@Qurin: Wir würdest Du das machen? Kann mir nicht vorstellen, dass man den Reflex nachträglich noch signfikant erhöhen kann. Der Sehnenbelag macht, was er will, und Horn und Holz zum Biegen nochmal ordentlich aufzuheizen käme mir verwegen vor.

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Quirin » 19.05.2017, 12:52

Naja man kann halt an der Stelle an der man nochmal Reflex geben will nochmal Sehne auflegen und nur den Teil beim Trocknen nach oben ziehen.

Gruß,

Quirin

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Arcito » 19.05.2017, 15:33

Danke für eure Antworten!
@Quirin: Du hast Recht, dass wär eine Möglichkeit, aber noch mehr Sehne auflegen wollte ich nicht, da ich das schon zwei mal nachträglich gemacht hab..Ich hab mir überlegt, die Tepeliks nochmal weiter gen Griff anzusetzen um die WA da mehr einzubiegen. Bisher hatte ich sie immer möglichst weit aussen angebracht. Dann schau ich weiter, ggf. etwas Horn wegnehmen.

Grüße

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von benzi » 19.05.2017, 15:53

Arcito hat geschrieben: Umdrehen will ich nicht, weil die Sehne dann nach dem Ausziehen nicht mittig auf den Kasan trifft.


das verstehe ich nicht: wieso ändert sich das beim Umdrehen? Umdrehen wäre die einfachste Lösung.... und ja gerade der Vorteil dieses Designs

liebe Grüße benzi
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Dshonon » 19.05.2017, 16:13

Ist besser beim Schießen den schwächeren Wurfarm nach oben oder nach unten zu nehmen?

viele Grüße
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Arcito » 19.05.2017, 16:49

@Dschohon: den Stärkeren nach unten, dadurch hebt der Pfeil besser vom Handrücken ab

@benzi: du hast schon recht. Vielleicht überleg ich mir das nochmal. Problem ist bisher, dass die Sehne nach Auszug etwas zur Seite versetzt auf den Kasan trifft, wenn der stärkere unten ist. Vielleicht sollte ich da der Verdrehung weiter versuchen entgegenzuwirken, damit ich den jetzt Stärkeren WA doch nach unten nehmen kann. Bin sowieso schon die ganze Zeit am Abwägen ob ich noch Sehnenbrücken anbringe, um 1. die Sehne am Kontaktpunktm it dem Kasan sicherer zu positionieren und 2. die Kontaktfläche von Sehne und Kasan zu verringern.

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von benzi » 19.05.2017, 21:06

ich denke hier ist ein Punkt erreicht, an dem Tiller und Schiesstil auf einander abgestimmt werden müssen...
Dein Druckpunkt ist tief, Dein Zugpunkt hoch ... wenn ich es richtig einschätze dann belastet das den unteren WA mehr, der sollte daher der stärkere sein... wenn Du den Druckpunkt hochlegst, also das Handgelenk streckst, kann das schon gleich ganz anders aussehen...

liebe Grüße benzi
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Windkanter » 14.07.2017, 07:16

Hallo arcito,

zum Thema Verdrehung: lies mal bei Karpowicz auf Seite 136 u. 137 nach. Eine leichte (max. 2mm würde ich sagen) Versetzung der Sehne im Kasanbereich nach dem Ausziehen/Schießen ist dann nicht schlimm, wenn sie in Richtung Pfeil geht und sich nicht verstärkt z.B. während des Schießens und nicht ständig handkorrigiert werden muss, Details aber auf o.g. Seiten. Ansonsten Warmkorrektur (habe ich gerade ausgiebig durchexerziert, geht gut mit 2 genau temperierten Wärmflaschen). Ich gehe mal davon aus, daß Du nach dem Aufspannen eine ev. Verdrehung der Bogenenden mit der Hand korrigierst, die von Dir genannte Verdrehung (aussermittige Sehnenlage) also immer wieder kommt nach mehrmaligem Vollauszug.
Ein seitliches Ansetzen von Holz im Tipbereich -wie in einem anderen Beitrag genannt- wäre eine ev. Alternative.

Thema Sehnenstuhl: mache ich immer drauf, wobei ein leichtes Anschlagen der Sehne im Bereich kurz nach der Tip-Biegung meiner Meinung nach nicht so schlimm ist. Meine (eher schwächeren) Bögen haben schmalere, sich gleichmäßig verschmälernde Enden, da hilft der Sehnenstuhl zusätzlich gegen seitliches Abrutschen der Sehne bei Handkorrektur nach dem Aufspannen. Bringt nur wenig zu beschleunigende Masse mehr, wenn er aus Holz (aufgeleimt) ist. Bei den Bögen, die Karpowicz abbildet, ist kaum einer/keiner mit Sehnenstuhl dabei, ich glaube das ist eher eine Spazialität der Krimtartaren (Karpowicz S. 127).

Korrektur des Reflexes mit nachträglichem Sehnenauflegen, Hornabschaben, Warmbiegen: meine Erfahrungen mit Sehnensträngen, die im Biegebereich auslaufen, ist mit Restrisiko, teilweise lösen sich die auslaufenden Enden (wenn nicht ganz fein auslaufend) wieder ab. Warmbiegen: mal bei Karpowicz nachlesen, da die Ursache zuviel Horn oder Sehne sein dürfte, bliebe das Problem danach jedoch weiter bestehen. Üblicherweise, auch bei den Koreanern, wird so etwas durch Abschaben von Horn gemacht. Man kann danach vielleicht. den vor der Korrektur zu steifen Bereich zusätzlich über das Knie aufbiegen damit auch dieser Bereich das Biegen „lernt“.

Viele Grüße und weiter so
Windkanter

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Heidelzerg » 14.07.2017, 21:43

Windkanter hat geschrieben:Bei den Bögen, die Karpowicz abbildet, ist kaum einer/keiner mit Sehnenstuhl dabei, ich glaube das ist eher eine Spazialität der Krimtartaren (Karpowicz S. 127).


Ich habe mir ein paar Bögen aus dem Jahr 1683 aus der Türkenbelagerung Wiens angeschaut: von denen hatten viele Sehnenbrücken. Ist also auch bei echten Osmanen nicht unbedingt die Ausnahme!

Windkanter
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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Windkanter » 15.07.2017, 23:34

Heidelzerg hat geschrieben:
Windkanter hat geschrieben:Bei den Bögen, die Karpowicz abbildet, ist kaum einer/keiner mit Sehnenstuhl dabei, ich glaube das ist eher eine Spazialität der Krimtartaren (Karpowicz S. 127).


Ich habe mir ein paar Bögen aus dem Jahr 1683 aus der Türkenbelagerung Wiens angeschaut: von denen hatten viele Sehnenbrücken. Ist also auch bei echten Osmanen nicht unbedingt die Ausnahme!



Hallo Heidelzerg: also, dann darf der Sehnenstuhl natürlich drauf, wenn´s hilft.

Grüße
Windkanter

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Re: Bau eines osmanischen Kompositbogens

Beitrag von Windkanter » 20.08.2017, 07:49

benzi hat geschrieben:ich denke hier ist ein Punkt erreicht, an dem Tiller und Schiesstil auf einander abgestimmt werden müssen...
Dein Druckpunkt ist tief, Dein Zugpunkt hoch ... wenn ich es richtig einschätze dann belastet das den unteren WA mehr, der sollte daher der stärkere sein... wenn Du den Druckpunkt hochlegst, also das Handgelenk streckst, kann das schon gleich ganz anders aussehen...

liebe Grüße benzi



Hallo Arcito,

dem stimme ich voll zu.

Zusätzlich: wenn Du mit der Drehtechnik schießt, könnte es von Vorteil sein, wenn die Sehnenlage eher minimal zum Pfeil hin verschoben ist, vielleicht max. 1 Sehnendicke. Der Schütze mit seinem Schießstil und der Bogen (die Komposits sind fast schon komplizierte Lebewesen) bilden ein aufeinander abgestimmtes System.

Der Bogen sieht schon recht gut aus, ich denke er wird gut.

Grüße
Windkanter

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