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Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 11:23
von Granjow
Hoi zäme,

Da meine neue Esche etwas viel Frühholz intus hat und das gleich zum Anlass nahm, sich bauchseitig etwas zu krümmen, möchte ich ihr entweder einen Penobscot oder eine leichte Bräunung verpassen. Zum Toasten noch ein paar Fragen:
  • Wie stark nimmt die Zugkraft durchschnittlich zu bei Esche? Der Bogen hat so 40#, schätze ich, und etwas Set, einen 60er müsste ich wieder runtertillern.
  • Tempern mit Wasser? Oder Öl? Oder gar nichts? In der TBB4 hat der Autor afair Öl verwendet.
  • Sonst noch was, das wichtig ist? :)
Meine ersten Bögen habe ich einfach rückwärts gespannt und dann getempert, mit dem Resultat, dass die Stelle, die zuerst warm wurde, am stärksten gebogen wurde. Deshalb sollte wohl eine Form her.
Kann man damit rechnen, dass etwa 50 % der eingetemperten Biegung bleibt?

Simon

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 11:59
von Lord Hurny
Hallo Simon,
folgendes funktioniert bei mir sehr gut:

Bogen mit Rücken nach unten in den Schraubstock einspannen am Tip des zu tempernden WA's ein Gewicht mit ca. 2 kg anhängen.
Jetzt beim Tip mit dem tempern beginnen und laaaangsam Richtung Fades bewegen (ca. 15-20 Minuten) und die erhitzten Stellen mit Leinöl einreiben. Der WA sollte jetzt in der Nähe der Tips die stärkste Biegung und insgesamt einen Reflex von 8-10cm haben (wenn er vorher noch nicht zu viel Set hatte).

nach 1.000 Schuss ist vom Reflex bei:
Osage noch ca. 50-60% übrig
Hickory 30-40%
Ahorn 20-30%
Esche gar nichts mehr

Ob das State of the Art ist weis ich nicht, sind halt meine Erfahrungen

Gruß,
LH

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 12:21
von Felsenbirne
Hey Hurny ,
Das ist ja lustig, ich mach es genauso! Als Gewicht nehm ich eine Hantelscheibe. Zur Kontrolle habe ich noch ein Stück Zollstock (Gliedermaßstab)
angebracht, an dem ich ablesen kann wie weit sich der WA gebogen hat.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 12:26
von tomtux
nicht ohne form, kein wasser kein öl.
ob von den fades weg oder hin ist mir egal, wird ohnehin alles heiss.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 12:40
von Lord Hurny
hey Matthias,
um ehrlich zu sein, ich hab's irgendwo hier im Forum abgekupfert ;)
wahrscheinlich eh von dir, falls du der derjenige warst, der diese Methode hier schon mal geposted hat.

Danke im nachhinein, funktioniert echt spitze!

lg
LH

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 13:14
von Felsenbirne
tomtux hat geschrieben:nicht ohne form, kein wasser kein öl.
ob von den fades weg oder hin ist mir egal, wird ohnehin alles heiss.
Also durch Öl oder Wasser (ich bevorzuge Öl) dringt die Hitze besser und dauerhafter ein. Zumindest glaube ich das. Ist ja auch in der TBB so beschrieben. Bei Osage sollte man jedoch aufpassen: Ich ahbe festgestellt das der Kontakt mit Wasser (Dämpfen/ tempern) schnell zu Längsrissen führt.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 23.06.2011, 14:15
von acker
Tempern...hm...ein Buchfüllendes Thema für sich allein .

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 08:01
von gian-luca
ich habe bisher nicht soo viel getempert (wenns nicht nötig ist, lasse ich es gerne weg), aber irgendwann ging mir das leinöl-drauf-schmieren auf den wecker und da habe ich mal einen bogen ohne getempert und nicht den geringsten unterschied bemerkt. seither mache ich es wie tomtux: mit form, ohne öl oder wasser. die getemperten hölzer bisher: esche, ulme, hickory und robinie.
allerdings muss ich noch anfügen, dass ich nicht der extrem-temperer bin, nicht so wie marc st.louis ;D mir reicht es wenn mein schmales langböglein aus weissholz am schluss einen stringfollow von 3 bis maximal 5 cm hat (bei 55-65 pfund-bögen). die schiessen dann sehr angenehm schockfrei, präzis und gutmütig. was will ich mit einem superschnellen reflex-monster das vor lauter nervosität die pfeile beim geringsten fehler enorm streut? das ist aber meine ganz persöhnliche präferenz da ich beides selber genug getestet habe. Vielleicht kann man ja auch einfach sagen, dass ich einfach zu schlecht schiesse um die reflexen bögen zu beherrschen :D

gruss,
gianni

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 09:05
von Granjow
Meiner ist mir eben etwas zu schwer (vom Gewicht her), weil breit gebaut (da viel Frühholz), darum möchte ich ihm etwas nachhelfen ;) Die letzte Esche (aus dem Garten), die ich getempert habe, konnte ich nachher nicht mehr ziehen (ähm, das eine war ein Kinderbogen), das war aber auch junges Holz und traumhaft dazu.

acker, kannst du bitte ein bisschen vom Buch hier reinfüllen? :)

Das mit der Hantelscheibe ist eine gute Idee. Klingt einfach, vor allem einfacher als rückwärts aufspannen. Aber reichen 2 kg?

@Lord Hurny, danke für die Anleitung! Wie sieht es mit der Zugkraft aus, geht die auch so stark zurück oder bleibt die?

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 10:49
von gian-luca
hallo Granjow,

mach lieber nicht zuviel gewicht an die enden, sonst biegt sich der bogen, wenn er warm und weicher wird, so stark reflex, dass die grenze zum einreissen der fasern überschritten wird. dann ist der bogen hin und es ist schade ihn zu killen nur weil man etwas mehr reflex haben wollte.
der vorteil einer form ist der, dass man den bogen nicht 'über-reflexen' kann, weil er über die ganze länge fixiert wird. so eine form ist schnell gemacht: nimm ein robustes, gerades brett - so 2.5 - 3cm dick - und schneide einfach die geschwungene form raus, die du haben willst; wenn du willst geht sogar deflex/reflex. das geht natürlich mit der bandsäge sehr gut, aber mit einer brauchbaren stichsäge ist das sicher auch zu machen...

gruess,
gianni

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 10:56
von Mandos
Hm, ich habe demletzt zum ersten Mal getempert. Dabei habe ich den Bogen auf den Rücken auf die Werkbank gelegt, ein paar dünne "Furnieren aus gepresstem Holz" (keine Ahnung wie man das nennt) unter den Griff gelegt, dann dort mit Schraubzwinge fixiert, dann noch den WA, der gerade nicht getempert wird mit ein paar Zwingen festheften und dann den WA, der getempert werden soll, am Ende mit einer Schraubzinge runterdrücken, dann tempern.
Ist quasi das gleiche wie "Gewichte dranhängen", nur ist der Reflex in jedem Fall begrenzt.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 17:04
von Selfbower
Also ich bin im Grunde des öfteren dazu geneigt zu tempern, da man damit leichte aber gerade auch schnelle Bögen produzieren KANN... das kann natürlich auch nach hinten losgehen, wenn man es übertreibt oder zu ungeduldig ist! Ungedult wirkt sich dabei folgendermaßen aus: man will schnell fertig werden und tempert zu schnell... dh das holz ist braun aber getempert ist eigendlich nichts, da man nur auf die bräune achtet und nicht auf das was im Holz passiert! Es muss eine gewisse Zeit beim tempern vergehen, andernfalls ist wirklich nur die Oberfläche braun und das Holz einen Millimeter tiefer kein Bischen härter! Weiterhin reichen 2 kg Gewicht an den Enden völlig aus. Man kann wenn man möchte den WA wärend des Tempervorgangs in leichte Schwingung versetzen und dem Effekt zu vergrößern, natürlich in Maßen! Nun zum Öl. Das KANN man machen hat aber wie ich es sehe einfach keine Vorteile! Wenn man ausdauernd genug ist dann reicht auch das ganz normale Tempern ohne alles aus. Man kann dann im Übrigen auch keinen Lack mehr auftragen, wenn man ein Lackfinish angestrebt hat! Der hält nämlich dann nicht mehr und man müsste den Bogen in Aceton baden, damit das Öl wieder weg ist. Und das Öl zieht TIEF ein! ... also ^^ ich rate von Öl ab... Wasser habe ich mal bei Rattan verwendet um Recurves zu biegen das hatte garkeinen Effekt... also lasse ich das auch ;)

LG. Selfbower

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 19:22
von kra
Von Gewichten an den Enden beim Tempern des Wurfarms bin ich ganz schnell weggekommen - nämlich als sich der erste Versuch ruck zuck verabschiedete - steht immer noch in der Werkstatt rum.

Beim einbiegen von Recurves reicht das Eigengewicht des Bogens für die nötige Biegung. Vor allem kommt man dann nicht in die Gefahr, nicht heiß und lang genug zu erwärmen.

Wenn ich Laminate tempere lege ich sie dabei sogar auf einen flachen Balken, damit sie sich nicht verbiegen.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 24.06.2011, 20:52
von luetze
Bin noch lange kein Profi, möchte aber mal meine Erfahrung äußern. Bei mir hat es sich bewährt den Bogen auf ein schmales Kantholz zu zwingen. Ich lege dann je nach Bedarf am Griff was unter ( oder auch nicht ) und spanne die Tips am Ende fest. Da der Bogen ja oft nicht immer top gerade ist hat mann so auch die Möglichkeit kleine Seitenkorekturen zu machen oder auf der länge des WA etwas unter zu legen um ihn gerader zu bekommen. Nur sollte die Unterlage nicht viel breiter sein als der Bogen damit die Hitze nicht reflektiert wird und den Rücken bräunt :o , ist mir schon passiert O0 .
Wasser und Öl benutze ich auch nicht.

Re: Tempern: Was ist State of the Art?

Verfasst: 28.06.2011, 14:10
von nemrod
Ich habe es bist jetzt nur einmal gemacht hat aber recht gut funktioniert: http://fletchers-corner.de/viewtopic.ph ... 60#p257504
Was ich da wegen die Sinnhaftigkeit im Bezug auf Setbekämpfung geschrieben habe stimmt nicht ganz: der Bogen hat den eingefönte Reflex zwar komplett verloren ist jetzt aber Schnur gerade (war zumindest bis vor kurzem - ein zwei Tages-Turnier mit teilweise strömende Regen hat er nicht verkraftet und jetzt habe ich ca 1-1,5 cm Deflex, aber ich denke das lag eher an die unzureichende (3x Hartholzöl) Versiegelung und der Bogen hat zuviel Feuchtigkeit angezogen oder aber weil er noch nie so lange im Stück aufgespannt war oder eben beides) und die ca. 2 Stringfollow kriecht nach ein paar Stunden komplett zurück!

nemrod